6 Freunde, ein Auto, ein Ziel
Soviel erstmal zu unserem Ausflug am Wochenende, denn zuerst muss ich natuerlich noch von dem Cielo Azul Fussballturnier berichten.
Das fand am Freitag in Otavalo statt, und alle Schulen von Cielo Azul waren eingeladen. Das heisst, jede Schule konnte eine Jungenmannschaft und eine Maedelsmannschaft bringen. Das fiel den groesseren Schulen natuerlich um einiges leichter als den kleineren. Angemeldet waren dann auch alle Schule, ausser Cambugán und Motilon. Die hatten am gleichen Tag naemlich ein Fussballspiel von unserem Sektor. Schade, aber so hatte ich weniger Stress und konnte mehr helfen. Und Gualapuro kam auch nicht. Annekes Schule ist so klein, dass es nur 16 Kinder gibts und die nur in der 1. und 2. Klasse sind…
Als ich am Donnerstagmittag ins Haus kam, war soweit schon alles vorbereitet. Wir mussten nur noch den Kaese fuer die Sandwichs schneiden und nebenbei den armen Stuart beruhigen. Der hatte naemlich alles ganz alleine von seinen Spendengeldern organisiert und war merklich nervoes
. Am Abend bin ich noch mit Stephi und den chicos von letztem Wochenende was trinken gegangen, wo wir doch schonmal in Otavalo waren…
Freitagmorgen. Um 6.30 Uhr klingelte der Wecker, leider viiiel zu frueh. Aber es war Zeit aufzustehen, schliesslich mussten wir Stuart bisschen unter die Arme greifen. Als erstes sind wir in den Park gefahren, wo das Turnier stattfinden sollte. Da stellten wir erstmal in aller Ruhe die mitgebrachten Tore auf und ein „Zelt“, um die Sachen im Schatten zu lagern. Nach und nach kamen auch die anderen Freiwilligen mit ihren Schule (die Haelfte von Stephis Schule war wohlgemerkt um halb 7 Uhr schon da), so dass wir puenklich um 9 Uhr nach Zeitplan anfangen konnten, die Teams zu registrieren. Alles lief soweit echt gut und wir waren gut in der Zeit, wenn da nicht die kleine Meckertante aus San Augustin gewesen waere. Mit der haben wir uns so Anfang gleich
schonmal angelegt, als sie meinte, wir haben ja keine Ahnung und wir muessten puenktlich um 9 Uhr anfangen zu spielen, wo doch der Spielbeginn fuer 10 Uhr auf dem Plan stand. Stephi hat sie dann sogar freundlich gebeten, doch nach Hause zu gehen, falls es ihr nicht passen sollte
. Das brachte die „arme“ Frau natuerlich total aus der Fassung… Aber egal.
Um 10 Uhr war Spielbeginn und alles lief super. Da mein Team nicht da war, war ich mehr die Sekretaerin und hab mich um den Zettelkram gekuemmert, da der arme Stuart pausenlos als Schiedsrichter eingeteilt war. So war es meine Aufgabe, zu Beginn der 15 Spielminuten einmal laut zu pfeifen, und nach Ablauf der 15 Minuten einmal laut zu pfeifen. Immerhin eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. In den 5 Minuten zwischen den Spielen, bin ich dann wie wild hin und her gerannt um von allen Schiedsrichtern das Ergebnis aufzuschreiben. Dann wieder einmal pfeifen, zum Spielbeginn und dann hatte ich wieder 15 Minuten Pause
. Jaaa, meine Aufgabe war nicht die stressigste, aber immerhin musste das auch gemacht werden.
Es war alles wirklich super organisiert, so dass man sich echt nicht beschweren konnte. Eigentlich… Denn die Meckertante aus San Augustin fand natuerlich trotzdem was. Als ihre Schule 0:1 verloren hatte, ging sie wie ein
e wild gewordene Furie auf den armen Lorenz los, der Schiedsrichter war, und meinte, sie habe das Tor ja gar nicht gesehen, also war es auch keins. Ja, aber da der Schiedsrichter sagt, da war eins, war da wohl auch eins. „ACH! Und in welcher Minute war das denn???“ Hm… das wusste natuerlich keiner, ist aber ja auch egal…. „Ihr habt ja keine Ahnung von Fussball! Man muss das immer aufschreiben! Dass sowas nicht passiert!!!!! *bla bla bla*….“ Ja gute Frau, aber sie haben wohl auch keine Ahnung von Fussball, denn ist es nicht immer so, dass das was der Schiedsrichter sagt, einfach gilt?! Ich glaube wir haben es uns mit
der Señora an dem Tag alle etwas verschissen, aber davon geht die Welt auch nicht unter
.
Nachdem alle Spiele beendet waren, gab es erstmal einen kleinen Snack. Sandwich und Obst, bevor es ins Halbfinale ging. Das wurde dann doch richtig spannend und beim Finale der Jungs am Ende fieberten alle total mit. Es war „La Rinconada“ gegen „Pijal Alto“. Naja, die Groessenverhaeltnisse waren nicht ganz gerecht und so war es auch kein Wunder, dass La Rinconada am Ende gewann. Natuerlich ganz zur Freude von Startrainer und Freiwilligen Sven!
Bei der Siegerehrung, ausgetragen durch Stephi und mich (das ihr seht, dass wir auch was getan haben *g*), gab es fuer die 1. und 2. Plaetze je eine Medallie und fuer die 1. noch einen Pokal.
Ich muss sagen, es war wirklich ein gelungenes Turnier ohne grosse Verbesserungsvorschlaege. Ausser… naechstes Jahr koennte man vielleicht die Meckertante aus San Augustin Zuhause lassen… Aber auch den Kindern hat es super Spass gemacht, und hier nochmal DANKE STUART fuers organisieren! War super!
Nachdem die Arbeite getan war, wurde es hoechste Zeit, unser Wochenende zu planen. Welchen Berg sollten wir als naechstes besteigen? „NEIN, kein Berg mehr. Ich hasse Berge!“ so Stephis Worte. Also wohl kein Berg mehr. Dann doch lieber nach Oyacachi in die Termalbaeder. Das hoert sich doch gut an!
Geplant war, dass wir Samstag so gegen Vormittag losfahren. Aber Samstagvormittag ging keiner von den chicos die mitkommen wollten ans Handy… Na toll… Es wurde immer spaeter und spaeter und so beschlossen Stephi und ich eben alleine loszuziehen. Wir hatten zwar keine Ahnung wohin, aber das wuerde man schon irgendwie finden. Kurz bevor wir loswollten hab ich doch noch Christian erreicht. Er meinte, sie Essen gerade, kommen aber SOFORT! Nach einer halben Stunde sassen sie immernoch beim Essen, aber als ich meinte, dass wir dann eben allein schonmal vorgehen, waren sie keine 10 Minuten spaeter da. Mote, Christian, Pablo und Mula. Die von letztem Wochenende. Ja, und so sassen wir erstmal da und sie meinten immer nur: „¡No hay carro!“ Ja ist doch egal ob es ein Auto gibt oder nicht, dann fahren wir eben mim Bus. „¡No hay bus!“ Natuerlich gibt es Busse. Steht doch im Reisefuehrer… Nene, gibt keinen… So ein Quatsch. Und als wir meinte, dann gehen wir eben alleine hiess es nur: „Jaja, wir schauen mal nach…!“ Und 15 Minuten spaeter sassen wir in Christians Jeep auf dem Weg nach Oyacachi. Siehste, gibt wohl ein Auto. Auch wenn es wirklich nicht das Beste war. Vorne sassen Christian, Mula und Pablo und hinten drin (da waren 4 enge Plaetze)
Stephi, Mote, ich und ca. 50 Rucksaecke, Taschen, Schlafsaecke, Wasserflaschen,….. Kurzgesagt: Es war eng! Und bei jedem Stopp kam noch mehr Zeug dazu, bis wir sogar einen kleinen Topf dabei hatte, um den Trago heiss zu machen…
So ging es erstmal bis nach Cayambe. Dort mussten wir erstmal noch Batterien fuer die Boxen kaufen, und dann ging es endlich Richtung Oyacachi. Die Strasse war eine Schotterstrasse mit mega vielen Loechern. So wurden wir die ganze Zeit richtig doll hin und her geschuettelt und das in so einem engen, alten Auto. Was fuer ein Spass. Irgendwann meinte Christian: „Chuta, der 2. Gang geht nicht rein!“ Ui, das ist aber doof. Den braucht man naemlich schon ziemlich oft. So hielten wir auf dem Weg
ueber Stock und Stein bestimmt 5 mal an, um nachzuschauen. Das heisst, die anderen schauten nach und wir warteten geduldig. Es ging eigentlich ganz gut, fand ich. Bis wir nochmal anhielten. Und diesmal richtig. Motorhaube auf und erstmal schauen. Ja… sah nicht gut aus. Das Kuehlwasser kochte und als Pablo versucht hat, irgendweinen Deckel von irgendwas zu oeffnen, ist ihm der total um die Ohren geflogen
. Also gut. Pablo erstmal unters Auto, Christian und Mula von oben im Auto und Stephi, Mote und ich hinten im Auto, am chillen
. Was
sollten wir auch gross tun… Wir standen da bestimmt 1 ½ Stunden und ich dachte schon, wir kommen niemehr an. Die Sonne ging schon langsam unter und so sahen wir wenigstens den Cayambe wolkenfrei im Sonnenuntergang. Auch was schoenes. Aber eigentlich wollte ich ankommen. So gegen 18 Uhr war das Auto
dann wieder startklar. Das Kuehlwasser abgekuehlt und der Rest profesionell mit einem Bademantelguertel geflickt. Man kann echt nichts sagen. Die hatten ihren kompletten Werkzeugkoffer im Auto und auch echt Ahnung. So ging es bald weiter und nach einer weiteren gefuehlten Ewigkeit durch Nacht und Nebel kamen wir um 19.30 Uhr endlich in Oyacachi an. Das ist ein kleines ausgestorbenes Dorf im Nichts.
profesionell repariertes Auto (–> Bademantelguertel & Schuhbaendel!)
der Cayambe im Sonnenuntergang
Wow. Erstmal was leckeres Essen. Fuer die Maenner gabs Forelle, fuer Stephi und mich Reis mit Spiegelei, como siempre. Danach wollten wir endlich ins Bad. Wir hatten ja auch extra unser Zelt mitgebracht, da man dort anscheinend zelten kann und die ganze Nacht baden kann. Leider war die Tuer aber schon mit einem fetten Schloss verriegelt und wir standen dumm davor. Ein netter Nachbarsmann meinte aber, wir koennen einfach rein und sollen morgen eben zahlen. Das waere kein Problem. Aber da die Tuer ja zu war, mussten wir erstmal ueber den Zaun klettern, was gar nicht so einfach war.
Und dann waren wir endlich drin. Ganz alleine! Cool…
Die Jungs beschlossen dann, das Zelt doch in einer kleinen Huette aufzubauen, wo Stephi und ich jedoch strikt dagegen waren. Ich geh doch nicht in einem Haus Zelten! So ein Quatsch. „Aber wo denn dann? Etwa auf der Wiese *haha*???“ „Jaaaa, wo denn sonst?“So haben wir das Zelt einfach nach draussen auf die Wiese getragen und angefangen aufzubauen. Die MAENNER standen wohlgemerkt einfach daneben, und haben nur dumme Kommentare losgelassen, statt zu helfen. Ja, darauf koennen wir auch verzichten. So haben wir sie erstmal weggeschickt, um den Trago schonmal warm zu machen.
Als wir dann wiederkamen, und unsere zwei Zelte aufgebaut hatten, war natuerlich noch NICHTS passier
, aber was haetten wir auch anderes erwartet. Irgendwann war dann auch der Trago fertig. Also der Topf voll Wasser gekocht, dann ein kleines Glaeschen Trago rein und dazu, fuer den Geschmack, noch ein bisschen Saftpulver. Lecker!
Zwischendurch kam leider noch der Badbesitzer und hat uns etwas angeschnauzt, dass wir nicht einfach so einbrechen koennen und und und… Ja, versteh ich ja auch aber jetzt waren wir eben schonmal drin…
Und so sassen wir den ganzen Abend in dem heissen Becken. Es war wirklich mega heiss! Also nach 5 Minuten war es zu warm und man musste raus, und nach 5 Minuten draussen war es zu kalt und man musste wieder rein. Echt stressig. Aber trotzdem total entspannend und schoen. Nebenan war noch ein Fluss, in den man auch ab und zu mal reinsteigen konnte. Der war total erfrischend und eigentlich eher saukalt! Aber ist immerhin gut fuers Immunsystem, oder
?
Die Nacht im Zelt war wirklich richtig kalt, aber wir habens ueberlegt. Morgens um 7.30 Uhr machten Christian und Mula ploetzlich total Stress und keine halbe Stunde sassen wir im Auto nach Hause. Ich weiss echt nicht, warum wir so schnell „fluechten“ mussten, aber auch egal. Also wieder rein ins enge Auto und zurueck auf die Hoppelstrasse. Der Rueckweg ging um einiges schneller als der Hinweg, aber trotzdem waren wir mit dem Auto ziemlich langsam unterwegs
.
Montag hatte ich zufaelligerweise keine Schule, da fast alle Lehrer irgendeine Reunion hatten. Auch nicht schlecht. Noch ein Tag zum entspannen…
So, was es sonst noch zu erzaehlen gibt. Da es langsam wirklich nicht mehr lang ist, fragt ihr euch bestimmt, was ich mit meinen Spendengeldern machen will. Ja, das habe ich mich auch gefragt
. Aber keine Angst, ich geh damit nicht endlich mal wieder schoen shoppen, obwohl das wahrscheinlich auch mal wieder noetig waere, sondern wir machen einen Ausflug.
Die Kinder, zumindest die aelteren, meinen die ganze Zeit, dass sie mal an die Kueste wollen. Die wohnen hier so nah an der Kueste, und waren noch nie da. Und da es den Eltern nicht wichtig ist, dass sie gehen und sie auch das Geld nicht haben, werden sie wohl nie im Leben an die Kueste kommen. So hab ich mit meinen Lehrern und auch schon mit den Eltern gesprochen, und es steht nun fest, dass wir einen Ausflug an die Kueste machen werden. Die Eltern waren auch alle dafuer. Ich zahle den Bus, und sie zahlen Hostal und Essen. So hiess es. Das waeren $ 15 pro Kind. Ich fand das schon ganz schoen viel aber meine Lehrer meinte, das passt schon.
Ja… Eine Woche spaeter frage ich, wie viele denn nun gehen, um mich nach Hostals zu erkunden. Da meinen alle nur, dass sie nicht gehen duerfen. Atacames sei zu gefaehrlich, da gaebe es Allergien, das Wasser waere schmutzig und da ist ausserdem die Schweinegrippe. Da duerfen sie nicht hin. Die Eltern wollen lieber, dass ich ALLE, also samt Eltern, nach Chachimbiro, zu den heissen Quellen mitnehm. So ein Quatsch. In Atacames ist weder die Schweinegrippe noch ist das das Wasser arg viel schmutziger. Ausserdem wollten doch noch alle Eltern mit, als ich das erzaehlt habe und jetzt wollen sie die Kinder nicht schicken. Na super… Dann geh ich eben nur mit 6. und 7. Klasse. Die gehen auf jeden Fall. Eigentlich wollte ich noch 4. und 5. Klasse mitnehmen, aber ob das klappt weiss ich noch nicht. Ja, so ist die Situation. Mal schauen was draus wird. Ich werde nochmal mit den Eltern reden und sagen, dass sie nur $ 10 zahlen muessen und dann doch bitte die Kinder schicken sollen, da sie das wirklich wollen!
Ein anderer Teil des Geldes werde ich Stephi geben, dass sie mit ihren Kindern auch an die Kueste fahren kann. Sonst muessten sie auch $ 15 pro Kopf zahlen, und das ist wirklich viel wenn man allein schon 2 Kinder hat. So wird auch sie mit einem Teil der Spenden an die Kueste fahren und natuerlich einen kleinen Bericht mit Bildern schicken.
Ja, man kann jetzt sagen, dass das Geld doch fuer andere Sachen viel besser eingesetzt werden koennte, irgendwas langfristiges und nicht nur ein Ausflug. Aber die Kinder hier kennen einfach nur ihre Comunidad und gerade mal Otavalo. Sie waren noch nie irgendwo auf Reisen, obwohl alles so nah und billig ist und werden es wie gesagt wohl auch nicht mehr machen. So finde ich es eine gute Moeglichkeit, mich von den Kindern zu verabschieden und ihnen ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Ich hoffe, ihr stimmt mir da zu
.

Viele Grüße aus Ahrweiler!
Aresin schrieb dies am 17 Mai, 2009 um 9:45 |
Menscb – super Bild der Cayambe – musst unbedingt noch in den letzten Wochen als Überschriftsbild nehmen. Da will ich auch hin. Paps
Paps schrieb dies am 17 Mai, 2009 um 9:13 |