We survived Iliniza Norte! – aber auch nur fast…

1. Mai… Alle haben frei, die Sonne scheint und man macht eine schoene kleine Wanderung mit anschliessendem Grillen. So war es zumindest bis jetzt immer. Aber da wir hier in Ecuador sind ist alles eben ein bisschen anders.

1. Mai in Ecuador… Die Lehrer haben frei, die Koffer werden gepackt und alle Freiwilligen fahren nach Canoa an die Kueste um sich zu erholen und ein bisschen Sonne zu tanken.

Alle? – Nein, natuerlich nicht alle! Stephi, Maike, Manuel und ich nicht. Waere ja auch langweilig, wenn alle immer das selbe machen wuerden oder? So haben wir beschlossen, mal wieder ein richtiges Abentuer zu erleben. Lesen sie jetzt Teil 5: „We survived Iliniza Norte!“ Oder doch nicht…?
Amerkung des Autors: Ich werde diesen Bericht natuerlich so realistisch wie moeglich schreiben und deshalb auch meine Gefuehle und Gedanken nicht auslassen. Ich bitte sie nur Verstaendnis zu haben, und mich nicht hinterher wegen meinen Gefuehlen und Gedanken waehrend des Aufstiegs auszulachen.

Der folgende Bericht ist fuer besonders nervenschwache Menchen zensiert (–> MAMA) :-)

Donnerstagabend. Gemischte Gefuehle im Freiwilligenhaus. Waehrend die Mehrheit der anderen Handtuecher, Bikini und Sonnencreme in ihre Rucksaecke schmeissen, herrscht bei Stephi, Maike, Manuel und mir leichte Anspannung. Ist es die richtige Entscheidung den Berg zu besteigen? Was, wenn Christans Freunde total profesionell sind und wir nicht hinterherkommen? Sind wir schon bereit fuer so einen Berg? Was muss man denn ueberhaupt mitnehmen? Um diese ganzen Fragen zu klaeren, bin ich mit Stephi ins Hostal gelaufen, um dort Pablo ueber alles auszuquetschen. Wie schon erwaehnt, ist Pablo ein guter Freund von Christian und war immerhin schon beim Fuya Fuya, der Caminata, Cuicocha und dem Imbabura dabei. Er sollte schon wissen wovon er spricht. „Einen Schlafsack, eine Garnitur Waesche zum wechseln falls was nass wird, Wasser und bisschen was zu essen. Mehr braucht ihr nicht!“ So Pablos Worte. „Schwer ist es auch nicht. Das schafft ihr schon!“ Naja, leider war er da nur auch noch nicht oben und wusste es wohl genausowenig wie wir. Aber gut, so schwer sollte es schon nicht werden.
So gegen 21 Uhr verlaesst die Canoa Truppe dann endlich das Haus und wir konnten uns in Ruhe auf unser Vorhaben vorbereiten. Schlafsack, 3 paar Socken, Jogginghose, Jeans zum wechseln, Muetze, Handschuhe, eine Rolle Klopapier zum Nase putzen, kleinen Rucksack, T-Shirt, langarm Shirt, Fleecepulli, noch ein Pulli, Schal, Sonnencreme, Asirin, Foto,… Der Rucksack wurde immer voller und wir wissen immernoch nicht ob wir das alles brauchen. Ist der Rucksack zu gross? Kommen die anderen auch mit so einem grossen Ding? Den Kopf voller Gedanken gehen wir gehen 22 Uhr ins Bett.

Freitagmorgen. Das Abenteuer beginnt! Punkt 8 Uhr stehen wir im Hostal, wo wir Christian, Pablo und Mario treffen, der sich kurzfristig entschlossen hat, doch lieber mit uns zu kommen anstatt nach Canoa zu fahren (Na ob das die richtige Entscheidung war?). Beruhigt sehen wir, dass die anderen zwei auch so einen grossen Rucksack dabei haben. Um 8.15 Uhr laufen wir schonmal los zum Treffpunkt. Christan und Pablo muessen noch fruehstuecken und kommen sofort nach. Mit dem Auto wohlgemerkt, um Kraefte zu sparen. Am Treffpunkt warten schon ein paar von Christians Freunden. Voller Schrecken p1090809sehen wir deren Ausruestung. Eispickel, Seil und eine seltsame Anglerhose. Ui… Die sind wohl doch profesioneller als wir dachten… Langsam kommt auch der Rest und wir koennen los. Es geht zum Terminal. Langsam trotten wir den anderen hinterher. Was fuer ein Bild. Sieben profesionell aussehende Bergsteiger und dann wir…
Wir fahren nach Quito wo wir noch Christans Bruder Dani treffen. Von dort geht es weiter im naechsten Bus nach Machachi. Der Bus ist eng und unsere Rucksacke liegen mitten im Gang. Dauernd kommen Leute die vorbei wollen und wir muessen immer wieder den Gang freiraeumen. So gegen 13 Uhr kommen wir in Machachi an. Auf in den Supermarkt, Wasser kaufen und dann los! Aber halt – wir sind doch in Ecuador! Also erstmal gemuetlich zu Sanitagos Tante laufen um nochmal eine letzte Kleinigkeit zu essen. Reis mit Spiegelei. Das mit den Linsen dazu bekommen sie irgendwie nicht auf die Reihe. Mittlerweile ist es schon 14 Uhr. Unsre Hoffnungen, noch bei Tageslicht am Refugio anzukommen schwinden und auch Mechas, der Guide, wird langsam unruhig.
Nach dem Essen laufen wir zum Supermarkt, um noch Wasser fuer den Aufstieg einzukaufen und etwas Thunfisch fuer das Abendessen. Dann geht es weiter im naechsten Bus nach Chulpi. Das Wetter wird immer schlechter. Es p1090814faengt an zu regnen und neblig ist es auch. Unsere Lust den Berg zu besteigen vergeht mindestens genausoschnell wie die Zeit. Nach einer halben Stunde kommen wir in Chulpi an. Keine Menschenseele zu sehen. Dabei wollen wir doch nur eine Camioneta die uns so weit wie moeglich zum Iliniza faehrt. Immerhin finden wir auch eine, leider erst nach weiteren 20 Minuten warten. Aber aendern kann man daran ja auch nichts, also alle 13 Mann rein und los gehts!
Nach einer halben Stunde fahrt muessen wir raus. Der Fahrer will uns nicht weiter hochfahren, da sie Strasse zu schlecht ist. Als wir aussteigen sehen wir p1090828in weiter Ferne den Iliniza! Ach du sch***… Die Huette ist auf ca. 4700m und der Berg ist 5200m hoch. Das heisst, wir muessen bis fast ganz hoch laufen! Wir stellen uns auf einen langen Marsch ein als wir um 16 Uhr loslaufen, den wir wohl nicht mehr bei Tageslicht beenden werden koennen. Was fuer Aussichten…
Mit etwas mulmigem Gefuehl laufen wir die Strasse weiter als schon das erste Hindernis zu sehen ist. Ein gut 3m breiter Fluss, der genau ueber die Strasse fliesst. Och nein, ich will nicht mit nassen Fuessen weiterlaufen muessen… Aber zum Glueck gibt es ein kleines Holzbrett, das als Bruecke dient. Danach geht es weiter, immer der Strasse nach. So langsam wird uns warm und bei der ersten Pause stehen allen schon die Schweissperlen auf der Stirn. Mich p1090836aergert es zu wissen, dass man das ganze Stueck eigentlich noch haette fahren koennen… Aber es hilft nichts, wir muessen weiter. Um den Weg etwas abzukuerzen laufen wir querfeldein. Zum ersten Mal wird es anstrengend. Gut dass wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, was noch alles auf uns zukommen sollte. Nach 1 ½ h Marsch haben wir den Parkplatz „la virgen“, die Jungfrau, erreicht. Hier stehen Autos. Wie aergerlich… Und wir sind alles gelaufen… Auf einem Schild steht die Hoehe: 3900m! Bei 3400m sind wir losgelaufen und auf ca. 4700m muessen wir noch hoch. Nichtmal Halbzeit!
Nach einer kurzen Pause geht es weiter. Die Strasse hoert langsam auf und es geht durch Wiesen und Gebuesch etwas bergauf. Es faengt an zu regnen. Auch p1090839das noch. Also Regenjacke an, Kaputze auf, Regenschutz ueber den Rucksack und weiter gehts. Den Blick stets nach unten, immer auf die Fuesse des Vordermanns gerichtet. Wir laufen schon eine gefuehlte Ewigkeit. Mittlerweile wird es langsam aber sicher dunkel. Der Grossteil der Gruppe ist schon voraus, zwei sind hinter uns, aber alle ausser Sichtweite. Ich bekomme Angst. Es sind nur noch Maike, Stephi, Maunuel, Mario und ich da. Es wird daemmrig. Bald werden wir nichts mehr sehen. Wo sind die anderen? Ich will mich nicht verirren! Jeder weiss, dass man nicht im Dunkeln alleine in den Bergen rumlaufen sollte. Meine Gedanken machen was sie wollen. Ich bete nur noch, dass wir hoffentlich bald ankommen und niemandem was passiert. Da sehe ich Mechas vor uns. Er wartet! Und hinter ihm der Rest der Gruppe. Was fuer eine Erleichterung. Wenigstens sind wir nichtmehr allein. Wir machen eine kleine Pause. In 20m Entfernung stehen Zelte und es brennt ein Feuer. Wie schoen waere es in diesen Zelten zu schlafen… Aber unser Ziel ist das Refugio. Irgendwer fragt nach der Hoehe. Christians Hightech-Uhr sagt 4200m. Das haette ich lieber nicht gehoert. Jetzt bin ich noch frustrierter. Ich hatte gehofft schon weiter zu sein.

Es geht weiter. Die anderen haben ihre Haedlamps ausgepackt und eingeschaltet. Leider haben wir nur 3 oder 4 Stueck. Ich stecke mir die Ipod  Stoepsel in die Ohren um etwas abgelenkt zu werden. Wir sehen nicht mehr viel. Leise hoere ich Mechas sagen: „Wir muessen nur noch den Huegel hier hoch, dann sind wir da!“ Das Huegel muss aber ganz schoen steil sein, da uns noch ganz schoen viel Hohe fehlt… Und da ist er auch schon. Der ganz schoen steile Huegel. Es regnet immernoch. Ich rutsche aus. Wertvolle Kraft geht verloren. Erst jetzt merke ich, dass sogar schon etwas Schnee auf dem Boden liegt. Sonst ist es sandig. Bei jedem Schritt nach oben rutschen wir einen halben wieder runter. Ich habe keine Lust mehr. Pause! Die anderen ueberholen mich. Egal! Ich bete einfach nur, dass wir doch bald ankommen oder dass der Regen endlich aufhoert. Mein Rucksack fuehlt sich immer schwerer an. Der Berg nimmt kein Ende. Ich kann nicht mehr. 40 Schritte, dann Pause. Wieder 40 Schritte, und Pause. Blick nach oben. Ich sehe nur Berg und Dunkelheit. Ich will nicht mehr. Warum setze ich mich nicht einfach hin und lauf keinen Schritt mehr weiter? Ich bin kurz davor. Aber irgendwann muss ich ja trotzdem hochlaufen. Am liebsten wuerde ich heulen und einfach umdrehen und zuruecklaufen. Wie ich spaeter erfahre, waere Stephi sogar sofort mitgekommen :-) . Aber das ist ja auch Quatsch. Ich brauche eine Pause. Die mittlerweile 49ste. Immernoch kein Ende in Sicht. Ich schicke das naechste Stossgebet zum Himmel und laufe 40 Schritte weiter. Neben mir sehe ich den Abgrund. Mittlerweile ist es mir auch egal, ob mich alle fuer ein Weichei halten wenn ich mich hinsetze und anfang zu heulen. 40 Schritte weiter. Blick nach oben. Mein Hirn schaltet sich ein und sagt: Hinsetzen bringt auch nichts. Wir muessen oben ankommen. In Gedanken male ich mir aus, wie schoen es sein wird, im Refugio anzukommen, was zu essen und einfach in den warmen Schlafsack zu liegen. Aber wo ist das verfluchte Refugio? Es ist immernoch dunkel und es regnet. Langsam wird es flacher. Meine Fuesse laufen von selbst immer weiter waehrend mein Kopf am liebsten umdrehen wuerde. In der Ferne sehen wir Licht. Kann das war sein? Mechas spricht endlich die erloesenden Worte: „Das ist das Refugio!“ Und ehe ich es begreife stehen wir schon direkt davor! Erschoepft muss ich grinsen.

Endlich! Aber in der Tuer staut es sich. Warum gehen die andern denn nicht rein? Und dann sehe ich es auch. Der ganze Fussboden ist voll mit Menschen. p10908423Alle in ihren Schlafsaecken, Schulter an Schulter. Oh nein! Und wo schlafen wir? Mir ist alles zuviel. Ich will mich einfach nur hinlegen. Aber wo? Oben sei noch Platz hoere ich. Aber was ist „Oben“? Ich hole meinen Schlafsack aus dem Rucsack und ziehe meine nassen Sachen aus. Nie wird das bis morgen trocken sein! Egal. Ich habe zum Glueck noch einen letzten trockenen Pulli. Die anderen fangen an zu kochen waehrend ich langsam sie wackelige, vollgestopfte Leiter nach oben klettere. Es sind einfach ein paar Holzbretter, mit Platz fuer ca. 7 Leute oder so. Irgendwie schaffe ich es, meinen Schlafsack auszupacken und irgendwelche Klamotten auf die harte Leiter an meinem Kopf zu legen. Das tut p1090841gut. Ich steh nie wieder auf! Aber es ist kalt. Richtig kalt! Ich zittere und sehe mich schon die ganze Nacht wachliegen und zittern. Christian legt sich neben mich und ich hoere ihn sagen: „Wer ist das denn, der da neben mit so zittert?“ Pablo leiht mir seinen Pulli. Irgendwie muss ich den in meinen Schlafsack bekommen und mich damit zudecken. Aber selbst das ist mir zu viel. Mir tun die Arme weh. Ich bekomme mit, dass die anderen einen Topf mit Reis gereicht bekommen. Ich habe auch Hunger, aber mir ist total schlecht und ausserdem kann ich mich einfach nichtmehr aufrichten. Christian gibt mir eine von Pablos Tabletten. Sie selbst nur zu nehmen ist ein riesen Kraftaufwand. Aber sie hilft. Schon bald ist mir nichtmehr ganz so schlecht und ich schlafe ein. Immernoch leicht zitternd.
Als ich aufwache spuere ich erst, dass es eigentlich total unbequem ist auf dem harten Boden, ich keinen Platz habe und selbst die Fuesse noch am Fussende ueberhaengen. Ich kann nicht mehr schlafen. Es ist gerade mal Mitternacht. Irgendwie doese ich so vor mich hin, schlafe aber nicht. Den anderen scheint es nicht anders zu gehen. Die ganze Nacht ueber hoert man Stimmen. Es sind bestimmt gut 30 Leute in der kleinen Huette. Da ich wach bin, fange ich an mich mit Mario und Christian zu unterhalten. Ich glaub ich nerve alle, aber egal. Da bekomme ich Hunger. Vorsichtig steige ich ueber alle Schlafenden zur Leiter und klettere nach unten. Auf dem Herd steht noch der Reis. Nach 3 Loeffeln tut mir der Hals weh, da der Reis so kalt ist! Wieder zurueck ins Bett. Ein Teil der anderen Gruppe steht auf und macht Kaffee. Ich wuerde gern wieder P1090840schlafen, aber die Stimmen von Rosiiita und Maaauro sind so druchdringend, dass es unmoeglich wird. Eigentlich wollten sie um 3 Uhr auf den Iliniza Sur loslaufen, den schwereren Berg, aber die Wetterverhaeltnisse sind zu schlecht. Ich weiss nicht wann sie endlich weg sind, aber wir schlafen doch alle nochmal ein.
Bis 5.30 Uhr. Da macht sich der zweite Teil der Gruppe auf den Weg zum Iliniza Norte und wecken uns alle auf. Aber eigentlich wollen wir ja auch langsam los, so ist das nicht mehr ganz so schlimm. Langsam schaelen wir uns aus den Schlafsaecken, ziehen uns die mehr oder weniger immernoch nassen Klamotten und Schuhe an und laufen los. Ohne Fruehstueck.

P1090847Es ist ca. 7 Uhr und der Himmel sieht fuer kurze Zeit echt gut aus. Die ersten paar Meter geht es eigentlich nur leicht den Berg hoch, aber meine Beine fuehlen sich total schwer an. So komme ich ja nie am Gipfel an… Nein halt! Das ist die falsche Einstellung. Klar kommen wir an. Schlimmer als gestern Abend kann es gar nicht werden. Ich glaube, da sind wir alle an unsere Grenzen gekommen, oder sogar noch weiter… Es geht durch Sand und Schnee. Einfach der Nase nach immer Richtung Spitze. Die Anstrengung laesst langsam nach, da wir eh nur langsam vorankommen. Dann wird es steil. Fast senkrecht P1090852laufen wir den Berg hoch und rutschen immer wieder in Stueck zurueck. Endlich kommen wir bei den Felsen an. Ab da wird es einfacher, aber vielleicht auch etwas gefaehrlicher. Wir klettern mal links mal rechts um die grossen Felsen, ueberall liegt noch Schnee. Dann wissen unsere zwei Guids nicht wohin. Vor uns ist ein riesen Berg uns weder rechts noch links sieht es gut aus. Wir entscheiden uns, rechts mit dem Seil hochzuklettern. Das wird spannend. Stephi und Maike hat der Ehrgeiz verlassen und entscheiden sich, beim Anblick des Weges, lieber unten auf uns zu warten.
Wir restlichen 11 Laufen weiter und ziehen uns mit Hilfe des Seils den Fels P1090862nach oben. Nur nicht loslassen! So schlimm ist es gar nicht. Von da an geht es, mal steil, mal flach, immer weiter Richtung Gipfel. Da klart der Himmel auf und vor uns sehen wir eine maechtige Felsspitze. Da kommen wir ja nie hoch!, denke ich nur, als Mechas meint: „Das ist noch nicht der Gipfel. Da muessen wir rechts aussenrum laufen!“ Ach du liebe Guete, das auch noch. Der Weg um diese Spitze rum ist schwerer als gedacht. Vor allem fuer Christian, der irgendwelche komischen Schneeschuhe anhatt und sich auf den Felsen total schwer tut. Wir muessen ein steiles Stueck herunterklettern. Oder sollen wir doch lieber zurueck und noch weiter aussenrum? Wir sind mittlerweile auf 5000m angekommen. Mote und ich finden, dass das eigentlich auch reicht P1090866und wir umdrehen koennen. Aber da die anderen weiterlaufen gehen wir auch weiter. Steil bergab, dann an einer Felswand entlang und wieder bergauf. Ich bete, dass wir alle heil oben ankommen und nichts passiert. Wahrscheinlich kommen wir eh nicht oben an, denke ich. Nach dem steilen Stueck entscheidet sich auch Mario sitzen zu bleiben und zu warten.
Wir sind nur noch 10 und ich das einzige Maedchen. Ich spiele mit dem Gedanken, auch zu warten aber mein Ehrgeiz ist staerker und meine Fuesse P1090873laufen von selbst immer weiter. Zum Glueck habe ich Handschuhe an, auch wenn es nur duenne Wollhandschuhe sind und diese schon total dreckig und durchnaesst sind. Ich muss an die Kletterwand in unserer Schule in Deutschland denken, die mit den bunten Knaeufen zum festhalten. So komme ich mir vor. Nur eben ohne Seil und Weichbodenmatte. „Bald sind wir da!“, heisst es. Da wird es wieder steil und wir brauchen das Seil. Sch***. Das Seil ist bei Mario im Rucksack. Pablo dreht um und laeuft das restliche Stueck zurueck um das Seil zu holen. Waehrenddessen entschliesst sich auch Mote, den Gipfel P1090874nicht zu besteigen. „Da oben sehe ich eh nichts!“ Stimmt, aber nur deshalb gehe ich ja nicht hoch. Sonst waeren ja die Qualen von gestern umsonst gewesen :-) . Pablo kommt wieder mit dem Seil. Mechas klettert vorsichtig hoch und macht das Seil an einem Felsen fest. Nun koennen auch wir, die uebrigen 9 (mit Mechas), das letzte steile Stueck hochklettern. Als ich mitten am Berg haenge, fragen mich die anderen von oben, ob ich auf dem Rueckweg lieber vorne oder lieber hinten laufen will. Was fuer eine Frage! Lasst mich doch erstmal oben ankommen! Aber schon jetzt habe ich wirklich Angst vor dem Rueckweg. Langsam schmilzt auch der Schnee und es wird rutschig. Noch ein P1090877paar letzte Felsen und dann sind wir da! Am Gipfel auf ca. 5180m Hoehe! Gluecklich fallen wir uns in die Arme und machen das obligatorische Siegerfoto. Es gibt sogar ein Gipfelkreuz. Als ich den Aufkleber vom Mt. Everest (8848m) darauf sehe, bin ich frustriert. Wer hat das denn da drauf geklebt… :-) Aber egal. Es ist 10 Uhr und wir haben es geschafft! An den Abstieg will ich gar nicht denken.
Langsam, ganz langsam machen wir uns nach 10 Minuten wieder auf den Rueckweg. Ich stelle fest, dass es eigentlich leichter als erwartet ist. Klettern macht sowieso Spass und es ist einfacher als der Aufstieg. Bald kommen wir zu dem Fels, an dem noch unser Seil vom Aufstieg haengt. Mechas meint zu mir: „Komm mal her, ich seile dich ab. Die anderen aber nicht!“ Als er mir das Seil um den Bauch bindet muss ich grinsen. Das ist wohl der Maedchenbonus, P1090888aber da hab ich in dem Moment auch nichts dagegen. Gut, Knoten haelt. Dann seile ich mich als erste ab. Ganz langsam. So richtig vertraue ich dem Seil noch nicht. Aber schon bald haenge ich doch richtig drin und rutsche den Fels runter. Mensch, so ist der Abstieg eigentlich ganz einfach :-) . Die anderen folgen mir. Sie halten sich auch am Seil fest, werden aber nicht abgeseilt. Der einzige ausser mir ist Christian, der mit seinen Schuhen sonst wohl nicht runtergekommen wuerde. Mote ist schon weg. Wahrscheinlich mit Mario schon lang wieder im Refugio zurueck. Der Schnee ist schon fast weg und es wird immer matschiger. Langsam klettern wir weiter und weiter. Dann kommen wir an das Stueck, an dem Stephi und Maike zurueckgeblieben sind. Auch sie sind weg. Ich finde einen Zettel, dass sie mit der anderen Gruppe schon wieder zurueckgegangen sind. Bald sind auch wir da. Das letzte Stueck, das wir davor P1090893so steil hochmussten, ist nur noch Sand und Matsch. Das macht es einfacher. So koennen wir ganz einfach runterlaufen und rutschen dazu noch bei jedem Schritt ein gute Stueck. Das macht Spass! Als wir unten ankommen habe ich den halben Berg im Schuh, aber egal. Noch die letzten paar Meter und wir sind da. Am Refugio! Die anderen warten schon. Ich danke Gott, dass wir sicher wieder angekommen sind! Meine Schuhe und meine Hose sehen aus wie die Sau, aber egal! Wir habens geschafft!
Nachdem wir die Schlafsaecke und den Rest in unseren grossen Rucksaecken verstaut haben, machen wir uns auf den Rueckweg. Natuerlich faengt es genau in dem Moment an zu hageln. Aber immerhin besser als Regen. So laufen wir das Horrorstueck von gestern im Hagel nach unten. Man ist das lang! Kein Wunder, dass ich da gestern fast gestorben bin. Und auch bei Tag P1090895moechte ich es nicht nochmal hochlaufen. Der Abstieg zieht sich ganz schoen, aber wenn es eigentlich Spass macht. Es faengt an leicht zu schneien und die Landschaft erinnert mich an einen gemutlichen Sonntagsspaziergang im Winter. Je weiter runter wir kommen, desto matschiger wird es und der Schnee wird zu regen. Meine Schuhe sind total durchnaesst und der Rucksack ist gefuehlt bestimmt doppelt so schwer wie gestern. Irgendwann kommen wir endlich an der „Virgen“ an. Aber weit und breit keine Camioneta in Sicht, die uns haette mitnehmen koennen. Nein, ich will nicht bis ins Dorf laufen! Da sind wir ja morgen noch nicht da! Aber fuer den Moment haben wir wie immer eh keine Wahl und laufen weiter. Auf der Strasse weiter unten sehen wir ein paar Autos in einer Kurve stehen. Hoffentlich kann uns wer mitnehmen.
Als wir ankommen sehen wir warum die Autos da stehen. Die Strasse ist eine einzige Rutschpartie und selbst zu Fuss ist es gan schoen schwer, da die Kurve zu bekommen. Am Ende der Kurve steht eine Camioneta, die einem Parkagestellten gehoert. Er will uns mitnehmen. Danke! Gluecklich steigen wir alle ein und nun macht auch selbst der Regen nichtsmehr. Alles ist besser als laufen! Die Fahrt fuehlt sich an wie eine Schifffahrt, so rutschig und kaputt ist die Strasse. In einer Kurve rutschen wir sogar quer und alle muessen erstmal wieder raus. Nach einer Weile kommen wir an einen kleinen Parkplatz, wo schon die Camioneta wartet, die uns nach Machachi bringen will. Wir steigen um und es geht los.
Es ist ganz schoen kalt auf der Camioneta und die halbe/dreiviertel Stunde kommt wir wie eine Ewigkeit vor. Wenigstens ist es so eng, dass wir uns alle gegenseitig waermen koennen. Dann kommen wir an. Wieder am Restaurant von Santiagos Tante. Es gibt wieder erstmal was zu Essen. Wow! Das erste Essen seit gestern Mittag! Dort koennen wir auch die nassen Klamotten wechseln. Das heisst diejenigen, die noch trockene Sachen zum wechseln haben. Meine Schuhe sind klitschnass, aber ich hab keine anderen.
Nach dem Essen laufen wir zum Bus, der uns nach Quito bringt. Als der Junge kommt, der das Geld einsammelt, gebe ich im wie bei der Hinfahrt auch 75 Centavos. Da meint er zu mir, es koste 1 Dollar. Verdutzt gebe ich ihm die restlichen 25 Cent und frage warum es teurer ist. Da meint er: „Aehm…. wegen den Rucksaecken!“ „MENTIRA!“ So eine Luege hab ich auch schon lang nicht mehr gehoert und als Maike neben mir auch noch meint, das sei Diskriminisation gibt er uns mit einem Grinsen die 25 Cent wieder. So eine Schweinerei und fuer so bloed zu halten… In Quito steht schon der Bus nach Otavalo bereit und wir muessen nur einsteigen. So gegen 21 Uhr kommen wir endlich in Otavalo an. Was fuer ein langes Wochenende!
Als wir uns verabschieden, laden Stephi und ich die anderen ein, doch noch ein bisschen mit uns ins Jampa tanzen zu gehen. Sie lachen nur und halten uns alle fuer verrueckt. Trotzdem sollen wir doch einfach vorbeikommen und dann wuerden sie noch ein bisschen mitkommen. Haha, noch ne Luege. Als wir 1 ½ Stunden spaeter geduscht und mit endlich trockenen Klamotten im Hostal stehen, liegen alle schon im Bett. Nur Pablo bemueht sich noch, doch wieder aufzustehen und so gehen wir noch ein bisschen was trinken. Komischerweise bin ich auch gar nicht muede. In unserer Stammbar dem Fauno planen wir schon den naechsten Wochenendausflug. Zelten in Intag oder doch lieber was spannenderes? Der Abend wird laenger als geplant und irgendwann viel zu spaet fallen wir totmuede in unser bequemes Bett!
Ja, was fuer ein Abenteuer!

P1090823 eine vollgestopfte Camioneta…

P1090829 die Gipfelstuermer… naja, nicht alle haben es geschafft :-D

P1090849 na, ist das nicht eine schoene Aussicht?

P1090854 der Aufstieg…

P1090880 Der Beweis! Die Hightech-Uhr: 5170m!

P1090894 MAMA! Hab mich schmutzig gemacht…. :-)

Sonntagmorgen sind Cathy, Fabienne und Anneke von der Kueste wieder da. Es hat geregnet :-) . Na also, dann hat es sich eh nicht gelohnt. Als wir so von unserem Abenteuer erzaehlen, ueberlege ich mir, ob ich nicht doch auch noch auf den Cotopaxi soll. Es reizt mich ja schon… Aber der Iliniza war schon ganz schoen hart und der Cotopaxi ist noch hoeher und NUR Schnee… Als waere es ein Zeichen schreibt mir an dem Morgen Christoph eine SMS. Er war mit einem anderen Freiwilligen hier aus der Naehe auf dem Cotopaxi. Am Gipfel! Wow, wenn er es schafft, ist es nicht ganz unmoeglich. Aber er ist echt gut in Form… Als ich spaeter mit ihm telefoniere bin ich total hin und hergerissen. Einerseits sagt er, er hat es unterschaetz. Es war schwerer als gedacht und er ist total fertig oben angekommen, aber es ist immerhin machbar… Ja, wie ihr seht plane ich schon das naechste Abenteuer, dass es auch nicht mehr langweilig wird in den letzten Wochen… Und ich denke, ich werde es versuchen……

Zeichen Nummer zwei… Wie ich glaub ich schon mal erzaehlt habe, steige ich jeden Tag als Uebung auf den Berg hinter unserem Haus hoch. Und um mein Trainig mal zu steigern, hab ich beschlossen, ab jetzt zweimal am Tag hochzusteigen. Einmal vor der Schule und einmal nach der Schule. Ob es wirklich was bringt weiss ich auch nicht, weil man da in 4 Minuten oben ist. Aber trotzdem ist der Berg ganz schoen steil… Wie auch immer. Diesen Dienstag bin ich zum ersten mal vor der Schule hochgelaufen und was sehe ich? Natuerlich, dank superschoenem Wetter, wie immer den Fuya Fuya, den Imbabura, den Cotacachi, den Cayambe, und… mir sind fast die Augen ausgefallen, in weiter Ferne aber trotzdem als waere er gleich um die Ecke, den Cotopaxi! Ist das nicht ein Zeichen? Jetzt bin ich schon soo lang hier und mir ist noch nie aufgefallen, dass man sooo weit sieht. Aber ich bin ja auch noch nie morgens bei schoenem Wetter den Berg hochgekrackselt. Ja, das ist doch mal ein eindeutiges Zeichen oder?

~ von annikacathrin am 7 Mai, 2009.

4 Antworten to “We survived Iliniza Norte! – aber auch nur fast…”

  1. Alle Achtung!

  2. viiiiiiiielen dank für den totaaaaaaaaal spannenden Bericht und congratulation – maikes mom

  3. Iliniza… hehe, was ein geniales Wochenende…so ich wollte dir auch mal einen Kommentar schreiben, hab aber nich wirklich nen Plan was, da ich einfach zu faul – ähm, beschäftigt bin, deinen ganzen Blog durchzulesen… Weisst ja, VolontÄrleben ist anstrengend :D

    Joah, auf zu neuen Abenteuern. Noch 4 Tage und es geht los – ob mit kaputtenem Auto oder ohne…egal!!!

    Que suerte tengo que estoy aquí en este año con todos ustedes chicas locas… y VOS!!! :D
    bueno…eso sería todo…nos vemos ya mismito, que tengas una buena semana allá en Cambugán.
    Besodote!
    Stephi
    (hä, warum kann ich denn hier nirgends meinen Namen eingeben? Checks nich)

  4. ach, corazón…Das Dorf heisst übrigens Chaupi und nicht Chulpi ;) bisschen zu viel Hervido getrunken, was???? hehehe…
    Knutsch

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