Ein kulinarisches Abenteuer und Teil 4 der Abenteuerserie: „We survived….“

Der Tag der Lehrers, oder auch der Tag der Wartens… Den hab wollte ich am Freitag mit meinen Lehrern und allen anderen von unserem Bezirk feiern. Dazu hab ich mich mit Ximena um 8 Uhr am Busterminal verabredet. Puenktlich wie die schweizer Uhr stand ich um 8 Uhr da und hab gewartet. Mir war schon klar, dass sie nicht puenktlich kommen wuerde, aber die 15 Minuten warten machen ja auch nichts. Nur leider hab ich mich da ein bisschen geirrt. Um 8.15 hab ich sie dann doch mal angerufen und sie meinte, sie sei in 10 Minuten da! Alles klar… Mittlerweile sind ungefaehr schon 15 Busse nach Ibarra an mir vorbeigefahren (die fahren naemlich alle 4 Minuten, wie ich rausgefunden habe) und mindestens 10 davon wollten mich mitnehmen. Um 8.30 war Ximena nur leider immernoch nicht da. Aber mittlerweile bin ich eine ziemlich gute Warterin geworden und so stand ich einfach noch ein Weilchen da und wartete und wartete. Nachdem nochmal gut 10 Busse nach Ibarra an mich vorbeigefahren waren und es nun schon 9 Uhr war, beschloss ich, doch wieder nach Hause zu gehen. So spannend waere der Tag wohl eh nicht gewesen. Doch gerade als ich mich umdrehen wollte und nach Hause laufen wollte, packte sie mich am Arm und meinte: „Hoooola, Annika!!!“ Und schwupp, schon sassen wir im Bus nach Ibarra. Naja, auch gut. Um 9.30, puenktlich zum eigentlichen Anfang, kamen wir in Chaltura an einem Restaurant an, wo das Programm stattfinden sollte. Zufaelligerweise war es auch noch das Restaurant, in dem ich mit meinen Eltern, Verena und Anja war und in dem Papa sein erstes und wahrscheinlich letztes halbes Cuy gegessen hat. Wie auch immer. Um 9.30 Uhr waren natuerlich noch nicht alle Lehrer da und so warteten wir eben noch ein bisschen. Und warteten und warteten. Bis sage-und-schreibe 11.30! Dann konnten wir endlich anfangen. Nach ein bisschen Gelaber, von wegen das ist  unsere Tag liebe Lehrer, lasst ihn uns feiern und gluecklich sein, gabs endlich Essen!  Und wie das so ablaeuft, muss ich euch doch noch etwas genauer beschreiben. Ich musste naemlich wirklich schmunzeln… Lest einfach den naechsten Abschnitt und stellt euch vor, ihr sitzt gerade in einem normalen deutschen Restaurant und habt dieselben Gedanken wie ich…

Als erstes kommt natuerlich das Trinken. Aber es bekommt nicht jeder sein eigenes Glas Cola, sondern die „Kellner“ stellt einfach auf jeden Tisch 2 3-Liter „Cola“flaschen. Geschmacksrichtung: Coca Cola, Fanta, Sprite,….. hauptsache suess! Dann kommt auch schon das Essen. Zur Feier des Tages natuerlich was extrafeines… Alle 52 Lehrer bekommen ein halbes Cuy (ja richtig, das ist das Meerschweinchen) vorgesetzt. Mit einer halben gebratenen Banane, 2 Kartoffeln, einem Stueck Schweinefleisch, einem Stueck Huehnchen und einem Stueck Rind. Ja, ein purer Fleischteller! Waehrend sich alle anderen wild auf das Essen stuerzen, und, ohne mit der Wimper zu zucken, dem armen Tierchen die Beine ausreissen und dranrumknabberen, startet ihr noch kurz eine kleine Hochrechnung gestartet, die ihr vielleicht besser haettet bleiben lassen. 52 Leute bekommen ein halbes Cuy… Das heisst das fuer unsere Gruppe mindestens 26 Meerschweinchen ihr Leben lassen mussten. Und da wir nicht die einzige Gruppe sind, sind es bestimmt nochmal 40 Meerschweinchen mehr, fuer die anderen Leute… Ooooooh…. Absurderweise ueberlegt ihr euch  dann noch, welche Fellfarbe das Meerschweinchen auf dem Teller vor euch wohl mal gehabt hat… Doch bevor ihr sentimental werdet, fangt ihr doch auch lieber an, mal die kleinen Beinchen zu probieren. Gar nicht so schlecht! Und als ihr gerade so am knabbern seid, stellt ihr fest, dass das arme Tier wirklich komplett halb auf den Teller kommt. Sprich mit dem Naeschen, den Oehrchen und sogar den Zaehnchen… Nagut, genug der Beschreibungen. Und wie wir also alle so am Essen sind, und ihr euch schon ueberlegt, was ihr denn mit dem ganzen Fleisch machen sollt, kommt auch schon der Kellner. Mit was? Natuerlich, mit den Tueten! Jeder Gast bekommt eine durchsichtige Plastiktuete und dazu noch eine braune Papiertuete. Na Wunderbar, das Problem ist geloest. Ohne das Essen weiter zu geniessen, fangen alle Gaeste um euch rum an, das Meerschweinchen in die Tuete zu verfrachten, mitsamt Kartoffeln, Schwein, Huehnchen und Rind! Na also, schon ist das Abendessen fuer die Kinder gesichert. Und ich ihr koennt schon bald nichtmehr und nehmt ungeniert die Plastiktuete zur Hand, und schiebt euren gesamten Tellerinhalt in die Tuete. Nur noch die abgenagten Beinchen und ein paar andere undefinierbare Sachen bleiben zurueck. Nichtmal die Cola wird zurueckgegeben, sondern einfach in eine leere Trinkflasche umgefuellt und mit nach Hause genommen. Keine 2 Minuten spaeter beugt sich euer Nebensitzer zu euch rueber, schnappt sich ein paar runde Ueberbleibsel von eurem Teller, und meint: „Haha, die kleinen Hoden von dem Cuy!“ Ja, jetzt wisst ihr zwar nicht, ob euer Cuy mal schwarz oder weiss war, aber immerhin habt ihr nun das Geschlecht ohne Zweifel bestimmt :-) .
Kaum sind alle Cuys luftdicht in den Tueten verpackt, und selbst fuer die Leute, die nicht kommen konnten, wird eine Tuete zurechtgemacht, faengt auch schon die Musik an und alle stuerzen sich auf die Tanzflaeche um ein bisschen auf der Stelle hin und herzutreten. Aus dem Nichts sind ploetzlich auch mehrere Tueten Pfirsichwein auf dem Tisch und von allen Seiten streckt man auch ein Glas hin… Ja, ich war wirklich froh, als ich mich gegen 14.30 Uhr nach draussen schleichen konnte :-)
Was fuer ein kulinarisches Abenteuer!

Apropos Abenteuer… Es wir hoechste Zeit mehr von unserer Abenteuerserie „We survived…“ zu berichten. Nachdem ihr ja schon Teil 1 „We survived FUYA FUYA“, Teil 2 „We survived LAGUNA CUICOCHA“ und Teil 3 „We survived CAMINATA MOJANDA ARRIBA“ gelesen habt, werdet ihr nun in den Genuss des vierten Teils kommen: „We survived IMBABURA“!

Sonntagmorgen. Es ist soweit. Unser mittlerweile seit Oktober geplanter Aufstieg auf den Imbabura steht an! Am Abend davor sind alle schon total nervoes, und so springen 2 der mutigen Abenteurern ab. Aber gut, auch ohne sie werden wir am Ziel ankommen.
p10902961Sonntagmorgen, kurz vor 5 Uhr. Vor unserem Haus laeuft ein Prozessionszug vorbei. Singend und betend. Was hat das zu bedeuten? Ein dritter Abenteurer springt gesundheitsbedingt ab, und so machen wir uns zu neunt auf den Weg, natuerlich begleitet von unserem treuen Guide Christian! Die Fahrt dauert ungefaehr eine  Stunde. Dann sind wir da. Es ist noch dunkel und in der Ferne sehen wir den Sonnenaufgang. Noch ein paar letzte Vorbereitungen und dann laufen wir guten Gedankens los. Es ist 6.30 Uhr. Wir befinden uns auf 3400 Meter ueber dem Meeresspiegel und 1200 Meter unter der Spitze des Imbaburas. Dem Vulkan der uns alle das ganze Jahr ueber treu begleitet. Die ersten Meter legen wir ohne Probleme zurueck, doch dann kommt der erste nichtmalwirklich steile Anstieg. Die Schweissperlen liegen uns allen auf der Stirn als wir das erste Mal Pause machen. Nach 10 Minuten laufen. Schnell haben wir uns alle wieder erholt und geniessen noch kurz die sagenhafte Aussicht. Dann geht es auch schon weiter. Immer hoeher Richtung Spitze kaempfen wir uns durch das Dickicht. Dann sehen wir das erste Schild. p10903101„3466m“. Was fuer ein Rueckschlag. Bis dahin dachten wir alle, wir seinen auf 3500m losgelaufen… Aber wir lassen uns nicht entmutigen und laufen weiter. Es geht ueber eine riesige Wiese, im Gaensemarsch einen kleinen Trampelpfad entlag. Wir fallen zurueck. Stephi, Cathy, Fabienne und ich sind die letzten. Der Rest der Gruppe ist schon weit voraus. Werden wir es trotzdem schaffen oder werden wir Probleme mit der Hoehe bekommen und umkehren muessen? Tapfer laufen wir weiter. Die Beine werden schwer. Nun kommt der steilste Aufstieg. Die anderen sind schon lang ausser Sicht. Langsam kaempfen wir uns Schritt fuer Schritt nach oben. Immer wieder machen wir kleine Pausen um wieder Energie zu schoepfen. Oben angekommen endlich eine gute Nachricht. Wir sind auf 4000m Hoehe angekommen. Halbzeit! Mote, ein anderer Guide ist noch bei uns. Er meint wir sind gut in der Zeit und wuerden um 10.30 an der Spitze ankommen.  Wir laufen weiter. Es wird neblig. Die wunderschoene Aussicht p1090355verschwindet hinter einer weissen Wand und mit dem Nebel fangen die Felsen an. Ueberraschenderweise macht das den Anstieg jedoch ein wenig leichter. In der Ferne sehe ich die anderen. Wie mag es ihnen wohl gehen? Ich komme an einer kleinen Anhoehe an und setze mich in den Windschatten eines Steines. Die anderen machen sich gerade fertig und laufen weiter. Kurze Zeit spaeter kommen auch Stephi, Cathy und Fabienne an dem Rastplatz an. 4200m. Es wird kalt! Zur Staerkung packe ich meine mitgebrachten Toffifee aus. So geht es gleich viel leichter. Immer weiter bergauf. Wie viel wohl noch fehlen mag? Wir sehen ueberhauptnichts. Die Felsen werden immer groesser. Stellenweise muessen wir sogar richtig klettern. Langsam ueberkommt uns ein leichtes Schwindelgefuehl. Ist das die Hoehenkrankheit? Nein, das kann nicht sein. Trotz Windboehen laufen wir weiter. Getrieben vom Ehrgeiz, endlich die Spitze zu erreichen. Wir kommen an eine Felswand. Sie erscheint riesig, misterioes und unueberwindbar. Oder doch nicht? Wir finden einen Weg, muessen jedoch unsere p1090357ganzen Kraefte zusammennehmen um die Felswand zu ueberwinden. Es geht fast senkrecht nach oben. Was wenn wir ausrutschen? Nein, wir kommen alle 4 heil oben an. Sind wir schon oben? Ungewiss laufen wir weiter. Nein. In der Ferne taucht noch ein kleiner Berg auf. Und danach noch einer. Wir machen immer wieder Pausen, um das Schwindelgefuehl zu besiegen. Und dann, ploetzlich sehen wir die anderen. Jubelnd empfangen sie uns. Keine 5 Minuten nach ihnen haben wir unser Ziel erreicht. Endlich. Nach 4 Stunden. Wir haben die Spitze des Imbaburas erreicht. 4600m ueber dem Meeresspiegel. Gluecklich machen p10903861wir ein Siegerfoto. Leider ist die Aussicht immernoch nur eine weisse Nebelwand. 15 Minuten spaeter stoesst endlich auch Christan zu uns. Er war weit zurueckgefallen, hat uns jedoch wieder ein bisschen eingeholt. Waehrend wir zur Staerkung unsere Sandwichs essen, planen wir schon das naechste Abenteuer. Die Besteigung des Cotacachis! Aber das hat noch Zeit, denn  noch ist das Abenteuer nicht vorbei .Zuerst steht unser Abstieg an. Und vor dem hatten wir alle mehr Angst als vor dem Aufstieg. Die ganzen Steilen Felswaende mussten wir nun wieder runter. Immer die Angst im Hinterkopf: Was ist, wenn ich abrutsche? Langsam, Schritt fuer Schritt, klettern wir nach p1090419unten. Der Abstieg kommt uns laenger und steiler vor als der Aufstieg. Wie kann das wohl sein? Nach einer Weile haben wir den steilsen Part geschafft. Von nun an wird es einfacher. Kaum denke ich das, rutsche ich auch schon aus. Aber es passiert nichts. Mit einem kleinen Schrecken laufe ic h weiter. Es wird langsam waermer und mittlerweile siehr man auch wieder die Berge in der Ferne. Bald sind wir da. Wir erreichen das Stueck Wiese. Inspiriert von unserem Ausflug auf den ersten Vulkan, setzen sich Stephi und ich spontan auf den Po und rutschen den halben Huegel runter. Ja, das macht wirklich Spass!  Leider fordert unsere  Aktion die ersten Opfer. In Stephis Hose klafft nun ein riesiges Loch. Eher gesagt mehrere Loecher :-) . Wir laufen weiter und weiter und weiter. p1090450War der Aufstieg wirklich auch so lang? Unsere Beine werden langsam muede und so setze ich mich erneut auf den Po und rutsche weiter. Doch dann gibt auch meine Hose auf und ich laufe lieber. Endlich, nach 3 Stunden bergablaufen sind wir wieder am „Refugio“, der Schutzhuette des Imbaburas :-) , angekommen. Muede, erschopeft, aber gluecklich! Wir haben  das Abenteuer Imbabura besser ueberstanden als erwartet. Mich plagt nur einbisschen das Kopfweh. Wir vermuten, dass wir zu schnell abgestiegen sind. Aber das wir sicher auch noch vorbei gehen.
Jetzt, im Bus Richtung Otavalo, koennen wir in Ruhe unser naechstes Abenteuer planen. Den Aufstieg auf den Cotacachi! Enttaeuschenderweise sind nur 3 der mutigen Abenteurern bereit, nach dem heutigen Tage auch noch den Cotacachi zu erklimmen (geschweige denn den Cotopaxi, den hoechsten aktiven Vulkan der Welt!)

–> Impressionen 2


~ von annikacathrin am 24 April, 2009.

3 Antworten to “Ein kulinarisches Abenteuer und Teil 4 der Abenteuerserie: „We survived….“”

  1. Bergheil; aus der Vulkaneifel beste Grüße!

  2. Mensch, das war ja total spannend. Mir stehen die Schweißperlen auf der Stirn und ich bekomme jetzt erst langsam wieder Luft. Habe gar nicht gewusst, dass ein begeisterter Bergsteiger in Dir steckt. Hat richtig Spaß gemacht, mit Euch mit zu fiebern. Paps

  3. Hallo ,

    ich gratuliere Dir zu so einer Ausdauer, ich bewundere Dich .

    Weisst Du den jetzt schon wann Du wieder zurückkehrst?

    Bei uns wird es langsam aber sicher warm , es war für mich sehr ungewöhnlich in dieses Jahreszeit in Argentinien das schönste Wetter kurzämelig und das im JANUAR .

    Lass mal wieder was von Dir hören.

    Gruss Biene

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