Die spinnen, die Ecuadorianer
Ja, ich hoffe ihr hattet alle ein paar wunderschoene Osterfeiertage. Wir hatten sie auf jeden Fall
. Letzten Mittwoch bin ich mit Stephi, Maike, Anneke und Stuart nach Canoa an die Kueste gefahren um ein bisschen von unserem stressigen Schulalltag abzuschalten und uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Einen genaueren Bericht koennt ihr auf Stephis Homepage lesen, ich war leider etwas zu faul das alles aufzuschreiben, und Stephis Bericht ist glaub ich auch wie immer ganz gut gelungen
. Fuer ihr Geschreibsel bin ich jedoch nicht verantwortlich (da ich nicht mal soo genau weiss was da eigentlich drinsteht *g*).
http://pijalsanpedro.wordpress.com/
Am Montagmorgen waren wir also wieder in Otavalo, Zuhause! Da hiess es dann wie immer Unterricht vorbereiten, Kopien machen, Einkaufen, Internet, ….. und natuerlich Waesche waschen! Und dann war der Montag auch schon wieder vorbei…
Dienstagmorgen bin ich nach Cambugan gefahren und hatte sogar stundenplanmaessig Unterricht. Ich kann mich eigentlich wirklich nicht beschweren. Den Umstaenden
entsprechend, klappt alles wunderbar
. Die 4. Klaessler wissen zwar noch erschreckend wenig, fuer das, dass ich sie schon ein Jahr habe, aber immerhin wissen sie wenigstens etwas! Und das beruhigt mich schon ein wenig. Leider weiss ich auch, dass sie bis naechstes Schuljahr die Haelfte wahrscheinlich schon wieder vergessen haben werden. Aber das ist eben das Schicksal hier….
Mittwoch kamen Joell und Celia, um den Padres de familie (also den Eltern) was ueber Cieo Azul zu erzaehlen. Damit die Eltern das alles auch mal ein bisschen besser verstehen. Das war glaub ich echt mal gut. Ausserdem wissen die jetzt, dass ich das ganze Jahr NICHTS bekomme und wahrscheinlich doch nicht so viel Geld hab, wie sie denken.
Mit den zwei kam auch wieder Juan Carlos. Das ist der Agronom der mit den Kindern und Eltern hier ein bisschen Pflanzen saeen und den Boden vorbereiten will. Mit ihm haben wir
nach der Praesentation von Celia und Joelle noch ein Ritual fuer die Pachamama (Mutter Erde) gemacht. So wie ich das verstanden habe, war es, damit das angepflanzte auch gut waechst und die Pachamama gluecklic und zufrieden ist. Es war wirklich total interessant.
Er hatte so ein dreistufiges Loch in die Erde gegraben um das wir uns alle rumgestellt und ein paar Kerzen an den Rand gestellt haben. Ein paar „Auserwaehlte“ haben dann mit Hilfen ein paar heiligen Stoeckchen die Kerzen angezuendet und die brennenden Stoeckchen dann auch auf einen Haufen neben das Loch gelegt. Dann kam der „lustigste“ Teil. Wir haben alle unsere Haende in den Himmel gestreckt, zuerst Richtung Osten. Dazu hat Juan Carlos ein paar Worte gesagt und ein bisschen Floete gespielt. Das Gleiche kam dann Richtung Sueden, Westen und Norden.
Danach noch Richtung Sonne und Richtung Erde. Als wir das geschafft hatten, haben wir uns alle gegenseitig umarmt und einander fuer alles Moegliche gedankt. Als naechstes wurden Blumen, die manche von Zuhause mitgebracht hatten in das Loch gelegt, genauso wie Stueckchen Erde, die Kerzen und zum Schluss noch, diejenigen die wollten, ein paar Haare von sich selber. Juan Carlos meinte, dass durch dir Blumen und die Erde alles gut waechst Zuhause und durch die Haare soll es den Personen gut gehen. Auch interessant, oder? Nachdem
wir dann der Pachamama Haare, Kerzen, Blumen, ein bisschen Erde und sogar ein paar Tortillas gegeben hatten, musste jeder sich noch ein Kluempchen Erde suchen und auf das Loch tun, damit alles verdeckt wurde. Als das komplette Loch mitsamt Inhalt mit Erde verschuettet war, wurde noch ein Stein draufgelegt, um diese Heilige Staette immer wiedererkennen zu koennen. Eigentlich koennte man denken: „Die spinnen, die Indígenas!“, aber ich find es echt ganz cool, dass sie noch so Traditionen und Riten haben.
Auf dem Rueckweg zur Schule sind wir ueber das frisch umgegrabene Feld gelaufen, dass Juan Carlos mit den Leuten hier bepflanzen will und ueberall lagen die Gusos rum. Ich
weiss nicht, ob ihr euch daran erinnert, aber das sind diese Larven oder was auch immer von den Kaefern. Glaub ich zumindest. So genau weiss ich es auch nicht. Auf jeden Fall waren meine Lehrer schon wieder hin und weg und sind ueber da Feld gerannt und haben wie bloed diese Wuermer gesammelt. Wozu? Ja, ich denke, dass koennt ihr euch mittlerweile denken. Ein paar 7. Klaesser waren so gut, und haben die Erde aus den Viechern rausgequetsche und dann zum braten gebracht. Und da die Kleinen bekanntlich von den Grossen lernen, waren keine 5 Minuten spaeter 10 Zweitklaessler auf dem Feld und haben einen ganzen leeren Farbeimer voll von diesen Tierchen gesammelt. Meine Lehrerin Esperanza war hin und weg und hat sich
gleich selbst geopfert, die Tiere bratfertig zu machen. Abwaschen, durchschneiden, ausdruecken, und fertig! Ja, und so hatten wir zum Mittagessen eine Extra Portion Kalzium oder Eiweiss oder was auch immer da drin sein mag. Wir hatten zwei verschiedene Toepfe. Einen Tope mit Wuermchen ohne Kopf und ohne Fuesse, und einen zweiten Topfe, den den Esperanza gemacht hat, mit Kopf und Fuessen. Zuerst hab ich eins ohne Kopf und Fuesse probiert, weil ich mir schon wunderbar ausmalen konnte, wie hart der Kopf eigentlich sein musste und wie die Fuesschen wohl im Mund pieksen mussten… Naja, und irgendwann haben sie mich ueberredet, doch noch aus dem anderen Topf eins zu probieren. Die Fuesse wuerden
auch gar nicht pieksen… Es hat mich doch etwas ueberwindung gekostet, dieses Tier samt Kopf, Beisszange und Fuesschen zu essen… aber irgendwann hab ichs dann doch einfach in den Mund geschoben und ganz schnell gekaut. Ueberraschenderweise war es gar nicht so schlecht, wie ich erwartet hatte. Die Fuesse haben wirklich nicht gepiekst und der Kopf war auch eher knusprig als eklig hart. Wie ich schon das letzte Mal festgestellt hatte, schmecken die Teile besser als die Kaeferchen
. Ja, ich weiss, ich bin eklig….. *g*
So gegen 2 Uhr war ich endlich Zuhause, und auch schon wieder weg. Wie jeden Nachmittag bin ich mit Mariana und Lizeht zum melken in die Sienda gegangen. Dort warten jeden Nachmittag um halb 3 Uhr und jede Nach um halb 3 Uhr ca. 18 Kuehe darauf gemolken zu werden. Natuerlich alles von Hand! Ich weiss nicht, ob ich es schon geschrieben habe, aber meine Gastmama macht das jetzt fuer 2 Monate. Das heisst jeden Tag und jede Nacht melken gehen!!! Und dafuer bekommt sie gerade mal 60 Dollar im Monat. Die ganz hellen Koepfchen haben da ganz schnell ausgerechnet, dass das ein
Stundenlohn von 50 Centavos sind! Das heisst 40 Cent oder so was! Das hat mich total erschreckt als ich das gehoert habe… Weil es wirklich keine leichte Arbeit ist. Naja, fuer die Frauen hier wahrscheinlich leichter als fuer mich. Obwohl es fuer mich die Ideale Gelegenheit ist, melken zu ueben. Ich sitz dann immer mit Lizeht an einer Kuh und wir melken um die Wette. Am Anfang hat mir schon nach eienr halben Minute die Hand wehgetan, mittlerweile schaff ich schon eine Halbe Kuh zu melken. Also meine Seite eben. Auch wenn es noch ein klein bisschen laenger dauert, als bei meiner Gastmama
… Aber immerhin, ich lerne! Und es macht total Spass!
„Papi, da steht ne Kuh bei uns im Hof!“
Ja, das war meine Woche. Donnerstag nachmittag war ich schon wieder in Otavalo, da am Freitag keine Schule ist. Oh Wunder. Der Grund ist aber der Beste. Am 13. April, also am Montag, war „Día del Maestro“. Also der Tag des Lehrers! Ja, sowas gibts! Und da sind eigentlich ueberall Feste und so. Aber da meine Lehrer am Montag gearbeitet haben, haben sie den Freitag freibekommen. Auch nicht schlecht. So was koennte man in Deutschland doch auch mal einfuehren, oder?
Hier noch zwei kulinarische Highlights:
1. Die Fanesca Suppe von vor 2 Wochen
Unser absolutes Lieblingsessen: Reis, Linsen und ein Spiegelei!
Und ein paar Eindruecke vom „Vulkan der Vulkane“, dem Imbabura! Einfach nur majestaetisch und jeden Tag aufs neue wunderschoen! (Ich sags euch, ihr verpasst was *g*)




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