Kulturschock Deutschland?

•19 Juli, 2009 • 1 Kommentar

Seit über einem Monat bin ich nun schon in Deutschland. Habe mich eingelebt und mich an die Vorzüge eines „Luxuslebens“ gewöhnt.
Doch noch steht ein Bericht aus. Der von meinem Abschied und zugleich meiner Heimkehr!

Mein Flug ging am 11. Juni 2009. Und das nicht, weil etwas passiert war, sondern weil ich meine Familie und Freunde überraschen wollte. Aber dazu später mehr…

Am Sonntag vor meinem Abflug bin ich das letzt mal zu meiner Gastfamilie nach Cambugán gefahren. Auch wenn Ecuadorianer nicht wirklich viel planen war dieser Sonntag schon seit Monaten geplant gewesen. Denn an diesem Tag sollte mein Abschied gefeiert und dafür unser armes Schwein geschlachtet werden. Ja, ein bisschen tat mir das arme Ding ja schon leid, aber ich fand es auch einfach schön zu wissen, dass ich ihnen doch so „viel“ bedeute.
P1100779So fuhr ich also Sonntagmorgen um 9 Uhr mit dem Bus bis zum „Veinticinco“ und lief die restlichen 45 Minuten zu meinem Haus. Als ich ankam war das Schwein „leider“ schon tot, kleingeschnitten und die Männer, die dort waren gut angetrunken.
Aber sie haben sich alle wirklich gefreut, als ich endlich da war und mit wurden auch gleich ein paar Becherchen Bier angeboten.
Den Tag verbrachten wir damit, Würstchen zu machen. Das heißt, man stopft gekochten Kohl, P1100797Reis, Erbsen, Karotten und klein geschnippelte Innereien in den Darm und kocht das ganze eine Weile. Dann hat man typische, selbst gemachte, ecuadorianische Würstchen :-) . Die isst man dann entweder in der Suppe oder mit geröstetem Mais oder so was. Schmeckt auch sogar gar nicht soo schlecht! Nebenher gabs natürlich konstant Bier und so ging die Zeit auch vorbei. Als Abschiedsgeschenk hatte ich noch ein kleines Fotoalbum dabei, das ich ihnen da ließ.
So langsam wurde es Abend und eigentlich wollte ich noch zurück nach Otavalo. Glücklicherweise erklärten sich Pablo und Stephi bereit, mich mit Pablos Auto abzuholen. Und so hieß es für mich Abschied nehmen. Ich wollte zwar am Dienstag nochmal nach Cambugán kommen, aber nur in die Schule und ich wusste nicht, wen ich noch sehen würde. Und als ich so die letzen Sachen aus meinem Zimmer holte und meine Bilder P1100799von der Wand nahm, kullerten mir die ersten Tränen über die Backe. Meiner Gastmama Mariana hatte ich noch ein extra Geschenk mitgebracht. Ein Paar schöne Ohrringe. Und als ich ihr die übergab, kullerte auch bei ihr eine Träne über die Wange. Mein betrunkener Gastvater meinte immer nur: „Aber wir haben dich doch immer gut behandelt. Wie unsere Tochter! Und jetzt gehst du…“ Mariana sagte nur: „Wir haben uns doch schon so an dich gewöhnt, wir werden dich vermissen!“P1100824
Sie gab mir noch ein Tuch von ihr, das für die traditionelle Tracht als Rock benutzt wird. „Wir können dir nicht viel mitgeben, aber ich hoffe du freust dich trotzdem.“, oder so ähnlich. Dafür kam es von tiefstem Herzen, und das wusste ich.
Dann kamen auch schon Stephi und Pablo und es war endgültig Zeit. Ich umarmte alle noch ein letztes mal, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und stieg ins Auto. Sie winkten mir alle noch hinterher und dann waren sie in der Dunkelheit verschwunden.

Am Dienstag, zwei Tage vor meinem Abflug, fuhr ich das allerletzte mal nach Cambugán in die Schule. Als ich um 10 Uhr dort ankam, dachten die Kinder glaub ich schon, ich würde nicht mehr kommen :-) . Auch die meisten Eltern waren da, weil an dem Tag noch eine „Besprechung“ stattfinden sollte. Ich hörte mir das alles mit an und am Ende P1100657meinte meine Direktorin Ximena nur: „Heute ist der Tag, an dem Annika das letze mal hier sein wird, da am Donnerstag ihr Flugzeug nach Deutschland abhebt. Wir möchten und an dieser Stelle ganz herzlich bei ihr für ihren Einsatz bedanken. Durch sie haben die Kinder eine Menge nützlicher Dinge gelernt, und haben um einiges bessere Chancen ins Collegio zu gehen. Ich hoffe, sie vergisst uns nicht, und besucht uns bald wieder!“ Ja, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Aber dann musste ich mich auch noch bedanken: „Danke an euch dafür, dass ihr mich in eure Gemeinde aufgenommen habt und mich als ein Mitglied eurer Gemeinschaft behandelt habt. Es war eine unvergessliche Erfahrung und ich hoffen, eines Tages wiederkommen zu können!“ Da musste ich meine Tränen dann aber schon schwer unterdrücken! Anschließend haben mir die meisten von den Eltern noch Tschüss gesagt und dannP1100672 war es auch schon fast Zeit zu gehen. Als es klingelte, und die Kinder nach Hause gingen, versuchte ich, möglichst allen noch „Tschüss“ sagen zu können.  Und von da an, konnte ich meine Tränen wirklich nichtmehr zurück halten. Zwei von meinen 7. Klässler Mädels gaben mir sogar noch ein kleines Geschenk und als ich eine andere zum Abschied umarmte, musste auch sie weinen. Das hat mich wirklich berührt. Ich glaube, die meisten Kinder haben noch gar nicht verstanden, warum ich überhaupt so traurig war. Eine aus der ersten Klasse fragte mich, warum ich weine. Und da konnte ich nur sagen, weil ich nicht gehen will. Und sie sagte total verständnislos: „Aber warum bleibst du dann nicht?“ Und da wusste ich auch nicht wirklich was drauf zu antworten. „Weil ich eben gehen muss…“ Ja. Und dann kam auch schon die Camioneta, die uns nach Otavalo bringen sollte. Noch eine allerletzte Umarmung. Und dann wollte ich eigentlich noch meinem „Lieblingskind“ Santiago Tschüss sagen, aber er weigerte sich strikt. Ich P1100683glaube wirklich, dass es ihm selber näher ging, als er zugeben wollte und es eben seine Art war, damit umzugehen, indem er mir einfach gar nicht richtig Tschüss sagte. Schade, aber in Ordnung.
Als die Camioneta losfuhr, war mein Kopf einfach leer und ich sah den vorbeifliegenden Bäumen und Kindern nach. Als es nach einer dreiviertel Stunde Zeit wurde, mich auch von meinen Lehrern zu verabschieden, hatte sogar meine Direktorin leicht feuchte Augen. Das war wirklich schön, weil ich bis jetzt immer ein bisschen den Eindruck hatte, dass sie mich nicht sooo arg mag. Aber anscheinend doch…

Mittwoch. Mein letzter Tag in Otavalo, mein letzter Tag in Ecuador! Es fühlte sich alles ziemlich unwirklich an. Eigentlich alles wie immer, nur war es nicht wie immer. Es lag eine leichte Abschiedsstimmung in der Luft.
Den ganzen Morgen saß ich mit Stephi in unserer Oficina und arbeitete an unserer Abschlusszeitung. Denn es sollte wenigstens ein Exemplar rechtzeitig für mich fertig werden. Nebenher musste ich noch meinen Koffer packen und alle meine Sachen aus der Wohnung zusammensuchen. Das ist gar nicht so einfach in einer 16-Mann-WG und natürlich hab ich auch das eine oder andere Teil vergessen… :-)

Nachmittags bin ich ein letztes Mal mit Stephi zu unserer Lieblingspapasfrau gegangen. Dort gibt es die besten Pommes in ganz Otavalo für nur 70 Centavos! Ja, die sind echt lecker. Und dann war es auch schon Zeit, sich fertig zu machen und zu unserer Lieblingstienda zu gehen. Vor dem Laden dort stehen immer die ganzen Jungs, die wir mittlerweile durch unsere Ausflüge kennengelernt haben, und heute kam Ecuador – Argentinien! Dafür hatte ich mit Stephi sogar einen extra Fussballkuchen gebacken. Bis zur Halbzeit stand es noch 0:0, aber dann gabs ein TOR für… ECUADOR!!! Und kurz vor Schluss sogar noch eins! 2:0 für ECUADOR!!! OLEEE!!! :-) Ja, ich muss zugeben, wir haben uns schon gefreut, auch wenn wir nicht so die mega Fussballfans sind.

Der letzte Abend war mehr oder weniger komisch. Das lag aber wohl auch an meiner Stimmung. Ich war die ganze Zeit nur damit beschäftigt, nicht nachzudenken um nicht pausenlos zu heulen. Warum musste das Jahr denn auch schon vorbei sein? Konnte nicht einfach alles so weiterlaufen wie bisher? Wir waren doch alle so glücklich hier… Der Abend hat dann doch mal wieder bei der Tienda von Pancho geendet, wo Stephi und ich uns zum Abschluss noch einen leckeren Pfirsichwein für 1 Dollar gönnten. Das war ganz gut zur Ablenkung und Mula und Pancho haben sich auch wirklich rührend um mich gekümmert und geschaut, dass ich nicht zu viel geweint habe :-) . Und dann war auch der letzte Abend in meinem geliebten Otavalo zu Ende…

 

Donnerstag, 11. Juni

Abflugtag! Unglaublich… Eigentlich lebt man das ganze Jahr auf diesen Tag hin, und auf einmal ist er da. Morgens wollte sich noch meine Gastmutter mit mir in Otavalo treffen. Aber als sie da war, war ich nicht da und als ich da war, war sie nichtmehr da. Ja, das ist Ecuador. Auch wenn es mich in diesem Moment wirklich genervt hat und ich es total schade fand…
Stephi, Anneke, Sarah, Pablo und ich sind dann noch ein allerletztes Mal zusammen frühstücken gegangen. Die anderen hatten leider keine Zeit weil sie alle arbeiten mussten. Zum Frühstück gabs gleichmal leckere Spaghetti, dazu eine kühle Cola und das alles mit Blick auf den Markt von Otavalo. Ach, ich werde alles einfach so vermissen…

Um 12.30 ging es dann auch wirklich los. Mit dem Taxi sind Stephi, Sarah1, Sarah2, Anneke, ich, mein Koffer und mein Riesenrucksack zur Bushaltestelle gefahren. Eine letzte Umarmung für die zwei Sarahs, ein kleines Tränchen und rein in den Bus nach Quito. Auf dem Weg haben wir noch Maike eingesammelt und so sind wir zu viert zum Flughafen gefahren.
In Quito angekommen hat sich das Wetter Ecuadors nochmal von seiner besten Seite gezeigt und es hat natürlich in Strömen geregnet. Gerade in dem Moment, als wir auf ein Taxi gewartet haben…
Am Flughafen angekommen ging erstmal der Stress los. Meine Flugnummer stand nicht auf der Anzeigetafel, der Mann an der Info meinte nur: „Your flight is tomorrow!!!“ (So ein Quatsch) und die von der Fluggesellschaft hatten auch keine Ahnung. Naja, irgendwann hab ich dann rausgefunden, dass mein Flug doch ging, nur mit einer anderen Flugnummer.
Dann hieß es erstmal wieder warten. Meine Gastschwester Griselda wollte noch vorbeikommen, um mich zu verabschieden. Sie meinte am Telefon auch, sie sei schon auf dem Weg. Und als wir da so standen und warteten, kam Alex mit seinen Eltern vorbei. Die hatten zufälligerweise den gleichen Flug wie ich nach Madrid! Wow, ich musste nicht alleine fliegen! Es gibt doch noch Engel :-) . Gut, für Ablenkung während dem „auf-den-Flug-warten“ war gesorgt, fehlte nur noch Griselda. Langsam wurde es nämlich auch Zeit einzuchecken und dafür muss man am Quitoer Flughafen schon durch eine „Reisepasskontrolle“. Heißt, es kann niemand anders mit rein. Griselda sagte am Telefon nur: „Ich bin gleich da. Nur noch ein Block… und ein bisschen mehr… In 10 Minuten bin ich da!“ Natürlich… So gut kenne ich die Ecuatorianer mittlerweile auch, und weiß dass 10 Minuten keine 10 Minuten sind. In der Zwischenzeit bekam ich von Stephi und Anneke noch ein paar kleine Abschiedsgeschenke. Och nein Leute, ich muss schon wieder weinen… Einen superschönen Kalender und einen Brief.
Und dann war es Zeit, mich endgültig von meinen Lieblingsmitfreiwilligen, besten Freundinnen und adoptierten P1100990Schwestern zu verabschieden. Wir haben uns in dem Jahr so gut kennengelernt, sind zusammen durch Dick und Dünn gegangen und haben so manche Hochs und Tiefs gemeistert. Maike, Anneke und natürlich Stephi, an dieser Stelle nochmal ein gaaanz riesen PAY an euch drei, dass ihr immer für mich da wart, ich so viele schöne Dinge mit euch erleben durfte und vor allem, dass ihr mich zum Flughafen gebracht habt. Ich werde euch immer ganz Tief in meinem Herzen tragen und eines Tages werden wir uns hoffentlich alle in Otavalo wiedersehen…
Griselda war leider immer noch nicht da, und so musste ich leider los, ohne mich von ihr verabschieden zu können. In diesem Moment hab ich mich doch etwas über die Unpünktlichkeit der Ecuadorianer geärgert, denn das Flugzeug wartet leider nicht. Auch wenn es das an diesem Tag wohl auch getan hätte, aber das wusste ich ja noch nicht.

Schweren Herzens ging ich durch die Schiebetür und war mit einem Mal ganz alleine. Ohne nachzudenken stellte ich mich am Check In Schalter an und gab meine Koffer ab. So, und dann hieß es warten. Leider um einiges länger als ich erwartet hätte. In der Wartehalle traf ich zum Glück Alex‘ Eltern wieder, so dass ich nicht ganz alleine mit meinen Gedanken war. Der Flug ging leider nicht wie geplant um 17.40 Uhr, sondern erst um 19.00 Uhr. Mist! Ob ich dann noch meinen Anschlussflug in Madrid bekomme??? Dann wurde ich aufgerufen. Na toll. Ich musste mit ein paar anderen runter zu unseren Koffern und den von ein paar unfreundlichen Sicherheitsbeamten durchsuchen lassen. Der Zufall hatte mich ausgewählt und zufälligerweise hatte ich natürlich auch nichts schlimmes in meinem Riesenrucksack. Also alles wieder reingestopft, Rucksack zu und wieder hoch in die Wartehalle. Aber nicht ohne vorher NOCHMAL durch die Security zu laufen. Mir hätte ja während her wer eine Bombe zustecken können… :-)
Als ich wieder oben war, hieß es, das Flugzeug können nicht in Quito landen, wir würden jetzt alle erstmal nach Guayaquil geflogen werden und von dort aus nach Madrid. Um 21.00 Uhr, mit bereits 3 Stunden Verspätung flogen wir endlich nach Guayaquil. Dort sollte der Flieger um 23.00 Uhr nach Madrid starten. Meinen Anschlussflug nach München würde ich eh nichtmehr bekommen. Auch egal. Ich war einfach soo müde und wollte nur noch schlafen. Um 22.45 Uhr saß ich endlich im Flieger und während ich auf den Start wartete, schlief ich ein. Als ich eine Stunde später aufwachte, standen wir immer noch am Flughafen in Guayaquil. Was war denn heute los??? Würden wird denn nie mehr starten??? Später bekam ich mit, dass ein Vulkan an der Grenze zu Kolumbien ausgebrochen war, und die Flugroute neu berechnet werden musste. Deshalb standen wir dort so ewig und konnten erst um 0.00 Uhr mit fast 6 ½ Stunden Verspätung starten! Was für ein Tag!!!

 

Der Flug nach Madrid war ganz OK. Meine einzige Sorge war nur, dass ich meiner Schwester Verena ja noch Bescheid sagen musste. Sonst würde die in einer Stunde am Münchner Flughafen auf mich warten. Warum nur meine Schwester und nicht meine Eltern? Ja, jetzt wird es mal Zeit, die ganze Verwirrung um meine Ankunft zu erklären.

Als ich im Dezember meinen Flug umbuchte, entschloss ich mich es bei einer Überraschung zu belassen. Und so sagte ich einfach meinen Eltern, ich käme am 19. Juni an, also genau eine Woche später. Und damit sich nicht irgendwer verplappern konnte, sagte ich einfach ALLEN ich käme am 19. Juni. Von meiner richtigen Ankunft wussten nur 3 Leute, und ich danke diesen dreien für ihre Verschwiegenheit :-) . Es hätte auch wirklich alles ohne Probleme funktioniert, wenn meine Eltern nicht ihre Nase dauernd in alles reinstecken müssten und nicht beim Reisebüro angerufen hätten. Die haben natürlich nur gemeint: „Ihr Kind kommt nicht am 19. sondern am 12. Juni!“ So, dann war erstmal das Chaos perfekt und die Überraschung im Eimer. Doch der nette Herr von dem Reisebüro hat freundlicherweise nochmal bei meinen Eltern angerufen, um ihnen mitzuteilen, dass ich doch am 19. erst käme. Danke an dieser Stelle an den netten Herrn vom Reisebüro für ihre Hilfe!
Ab da glaubten sie mir dann wieder. Und das leider viel zu gut, denn sie beschlossen an dem Wochenende meiner wirklichen Ankunft in den Urlaub zu fahren. Überraschung Ade… Doch dank Verenas Organisationstalent hatte sie es geschafft Mama und Papa nach Salzburg zu locken und ein Treffen für Samstag eingefädelt. Natürlich nur die drei unter sich. Sie konnten ja nicht ahnen, dass ich auch dabei sein würde… :-)

Das ist also die Geschichte zu meiner Ankunft. Ich hatte nur so Angst, dass nichts klappten würde, da wir ja doch ziemlich viel Verspätung hatten. Aber in Madrid angekommen bekam ich in Null-Komma-Nix ein neues Flugticket und würde um 22.10 Uhr statt um 18.55 Uhr in München landen. Als ich Verena anrief, hatte die natürlich schon mit allen Fluggesellschaften telefoniert und wusste schon Bescheid.

Nach einer gemütlichen Tasse Kaffe mit Alex‘ Eltern machte ich mich auf den Weg zum Gate. In Gedanken immernoch in Ecuador bekam ich meinen ersten Kulturschock. Dort saß ich also in meiner rot-gestreiften Chillhose vom Markt und überall wo man hinschaute sah man nur Deutsche, dazu noch lauter blonde Kinder und als hinter mir einer lautstark fragte: „Hosch doin Geldboidl drbai???“, war es endgültig vorbei. Ich fühlte mich so alleine und wollte einfach nur zurück nach Ecuador!
Um 19.45 Uhr madridäischer Zeit :-) hob der Flieger ab und mit lief schon wieder eine kleine Träne über die Wange. Denn jeder Start und jede Landung brachten mich weiter weg von meinem neuen alten Zuhause. Außerdem war ich total verwirrt, da es noch so hell war. Ich wusste ja, dass es hier länger hell ist als ich Ecuador, aber dass die Sonne wirklich erst um 21.30 Uhr untergeht war mir neu. Für mich fühlte es sich die ganze Zeit an, wie 11 Uhr morgens… :-)

Und dann landeten wir in München. Um 22.10 Uhr münchneranischer Zeit, 15.10 Uhr otavalonischer Zeit. Glücklicherweise kamen nach dem ganzen Trubel mit mir auch meine beiden Koffer an und ich konnte nach 24 Stunden Flughafenluft endlich raus in die Freiheit. Dort wartete auch schon Verena mit zwei Luftballons auf mich. Ja, das war genau die Begrüßung, die ich mir gewünscht hatte. Ganz ruhig, ohne viel Trubel. Auch wenn mich eine Woche später bestimmt 10 Leute mehr vom Flughafen abgeholt hätten… :-)

 

Samstag, 13. Juni

Erster Tag in Deutschland nach 10 Monaten Ecuador. Tag der Überraschungen!

Die Nacht verbrachten wir in Verenas Wohnung in München. Auch wenn ich gerne länger geschlafen hätte, mussten wir um 6.15 Uhr schon los nach Salzburg. Geplant war eigentlich, dass Verena um 10 Uhr vor der österreichischen Grenze von Mama und Papa abgeholt wird. Aber wir wollten das ganze noch etwas lustiger machen, und die beiden im Hotel überraschen.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr mein Herz klopfte, als wir um 8.30 Uhr am Hotel ankamen. Was, wenn sie schon beim Frühstück sind? Was, wenn wir sie im Gang treffen oder sie uns schon am Parkplatz sehen? Aber alles lief wie geplant. Der Hotelbesitzer wusste schon Bescheid und so setzten wir uns einfach in den Wintergarten an den Frühstückstisch und warteten. Eine gute Viertelstunde später hörten wir sie kommen und schon streckte Mama ihren Kopf um die Ecke, um nach einem freien Tisch zu schauen. Wir sahen von ihr nur Augen und Nase, denn so blieb sie stehen. Bis Papa hinter ihr ungeduldig wurde, und zu schieben anfing. Dann stand Mama mit offenen Augen und einem noch weiter offenen Mund vor uns und hinter ihr schaute Papa ähnlich dumm über ihre Schulter. Es war wirklich film reif! Nach ca. 1 Minute stammelte sie das erste Wort. Aber nicht, dass sie erstmal „Guten Morgen“ oder so was sagte, es kam einfach nur: „NEIN!“ :-) Ja, ich konnte mir das Lachen einfach nichtmehr verkneifen, denn man konnte es in ihrem Kopf schon fast rattern hören. „Was machst du hier? Du kommst doch erst nächste Woche? Was ist passier?“ Und Papa stand nur ganz fassungslos vor mir und meinte: „Ich hab heute Nacht geträumt, dass du plötzlich da bist und ich sag nur zu dir, du kannst aber doch noch nicht da sein. Und jetzt bist du plötzlich da, aber du kannst doch noch gar nicht da sein…!“ Na, wenn das mal nicht eine Vater-Tochter Verbindung ist :-) .
Zum Frühstück gabs dann erstmal ein Glas Sekt und so nach und nach klärten wir die beiden über die vielen Lügen auf, die Verena und ich ihnen in den letzten paar Wochen aufgetischt hatte. Da wäre zum Beispiel ein scheinkaputtes Fahrrad, ein ausgedachtes neuselhaldener Sommerfest und die Geschichte, warum Verena die beiden einfach nicht in den Schwarzwald hat fahren lassen. Ja, es war wirklich eine gelungene Überraschung, wie sie besser hätte nicht sein können.
Den restlichen Tag verbrachten wir noch gemütlich in Salzburg, bevor Verena und ich uns um 15 Uhr auf den Rückweg nach Heidenheim machten, und Mama und Papa erstmal mit ihren Eindrücken alleine ließen.

Wir zwei hatten nämlich Karten für die Premiere von „Oliver!“ im Naturtheater Heidenheim um 20.30 Uhr. Dort sollte Teil 2 der Überraschung stattfinden.
Und wie schon am Morgen war ich wirklich aufgeregt. Was, wenn mich jemand vorher sieht und losschreit? Was, wenn sie sich gar nicht freuen mich zu sehen? Im Gangsterlook mit klopfendem Herzen liefen wir aufs Theater zu. Ich hatte mir einen Schal bis zur Nase gezogen und die Kapuze bis kurz vor die Augen. Auch nicht gerade unauffällig, aber so würde mich wenigstens niemand erkennen. Hoffentlich nicht!
Hürde 1: Die Kasse! Glücklicherweise saß Uwe da. Er war einer der drei Eingeweihten und hatte mir die Karten reserviert. „Hallo Annika!!! Was ist los, bist du erkältet?“ „Pssssst!!! Nein, ich versuche nur unauffällig hier reinzukommen!“ „Achso… Also, hier sind ihre Karten, Frau Maier!“
Hürde 2: Die Kartenkontrolle! Verena, nimm du die Karten, ich wühl mal ein bisschen in meiner Tasche rum…
Hürde 3: Bis zum Platz! Die erste Tür gleich rechts rein, vorbei an Leuten die mich eigentlich kenne, vorbei an der Technik und auf den Platz. So, jetzt nur noch warten, bis es anfängt. Verena ist solang noch ein bisschen spazieren gegangen, damit man uns nicht zusammen sieht :-) Geschafft. Das Stück fängt an!
Hürde 4: Die Pause! Bleiben wir sitzen, fallen wir auf. Gehen wir raus, sieht uns eventuell jemand. Also, was tun? Doch besser raus, und an den hintersten Tisch. Zum Glück ist es mittlerweile dunkel geworden. Nach der Pause einfach mit der Menschenmenge wieder rein. Puh… niemand hat mich gesehen!
Das Stück war wirklich schön, nur leider konnte ich mich nicht so wirklich darauf konzentrieren, da ich sooo aufgeregt war :-) . Und dann kam endlich die Verbeugung und mein Auftritt. Ich ging vor auf die Bühne und gab meinen zwei Freundinnen Stine und Betty, die Regieassistenz gemacht hatten, ein kleines Blümchen. Die Beiden waren wirklich erstmal total durcheinander, haben sich aber glaub ich riesig gefreut. Stine musste sich dann erstmal die Tränen wegwischen und ich hab mich wieder hingesetzt. Mission geglückt würd ich sagen. Was für eine Ankunft!

Im Laufe der Woche konnte ich noch ein paar mehr Leute überraschen und war auch gleich schon wieder mittendrin im Leben.  Seit 1. Juli mache ich nun Praktikum und habe so jeden Tag mehr als genug unter einen Hut zu bringen. Deshalb hat auch dieser Bericht leider so lange gedauert. Ob es nun gut oder schlecht ist, dass ich eigentlich jeden Tag voll ausgelastet bin, weiß ich noch nicht. Einerseits kann ich gar kein Heimweh nach Ecuador bekommen, andererseits wäre ein bisschen mehr Zeit aber auch nicht schlecht, um mich mal wieder in wenig zu ordnen und ein paar Sachen zu organisieren.

Die Umstellung hab ich glaub ich recht gut überstanden. Immerhin hab ich mein ganzes Leben schon in Deutschland gelebt. Auch wenn mir manche Dinge nun besonders auffallen. Zum Beispiel ist es hier eeeewig lang hell! Ab und zu scheint die Sonne sogar bis 22 Uhr. Daran hab ich mich glaub ich bis heute noch nicht gewöhnt. Eine andere Sache, die mich immer wieder zum schmunzeln bringt ist, dass ich dauernd das Klopapier in den Mülleimer werfen will und mich immer erst besinne wenn ich sehe, dass da nur ein Minimülleimer steht :-) . Am Anfang hab ich mir auch immer noch eingebildet, vor mir am Horizont den Imbabura, den Cotacachi oder sonst einen Vulkan zu sehen. Aber leider ist die Landschaft in Deutschland laaaang nicht so spannend und wunderschön wie die in Ecuador! Achja, und noch was! Es kommt IMMER Wasser aus dem Wasserhahn. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und das, was rauskommt, ist auch noch WARM! Kaum zu glauben. So was hatte ich nur in Luxushotels in Quito. Und ist euch schonmal aufgefallen, dass man das Duschwasser trinken kann? Und dass das vor allem nicht selbstverständlich ist? Und dass manche Leute noch nie mit einem Laptop in einem gemütlichen Bett liegend im Internet gesurft haben? Außerdem steht das eigene Auto vor der Tür, und man muss sich nie Gedanken machen, wie man von A nach B kommt. Jaja, da sag nochmal einer, den Deutschen gehe es so schlecht. Vielleicht sollten wir einfach mal unsere Einstellung ändern? Das ist auch eine Sache, die mich noch wahnsinnig macht. Deutsche sehen einfach alles viiel zu kompliziert. Wo alles doch so einfach wär :-)
Irgendwann will ich unbedingt noch einen Ecuadorianischen Abend machen. Mit Bildern, Musik, Essen und und und! Fehlt nur die Zeit, das alles vorzubereiten. Aber sobald ich ein Datum habe und die Bilder einigermaßen aussortiert hab, werde ich großzügig Einladungen verschicken. Wer Interesse hat, kann mir ja einfach mal eine Mail schicken. Dann meld ich mich, wenn ich genaueres über die „noche ecuatoriana“ weiß! (annika-cathrin@hotmail.com)

Danke an der Stelle nochmal an alle, die meine Zeit in Ecuador verfolgt und immer fleißig meine Berichte gelesen haben. Von ein paar hab ich schon gehört, dass sie es kaum bis zum nächsten Bericht erwarten konnten , und das macht mich wirklich glücklich. Wenn ich auch die Leute in Deutschland an den wunderbaren Erfahrungen teilhaben lassen konnte! Und falls mal wer den ein oder anderen Reisetipp oder so was zu Ecuador braucht, ich hab immer ein offenes Ohr :-) !

Ach ja, einen Studienplatz hab ich mittlerweile auch schon. An der FH Münster, und zwar für den „Deutsch-Lateinamerikanischen Studiengang für Betriebswirtschaftslehre“ oder auf gut spanisch „Carrera Alemán-Latinoamericana de Administración“. Für den normalen Menschen könnte man auch internationale BWL auf Lateinamerika bezogen sagen. Und wisst ihr, was das allerbeste an dem Studiengang ist? Man studiert 2 Jahre in Münster, und 1,5 Jahre in einem von fünf Ländern in Lateinamerika!!! Ist das nicht supercool? Ihr sehr, physisch bin ich zwar hier, aber mein Herz hängt noch país más lindo del mundo :-) !

Neuer Projektbericht online

•24 Juni, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Bericht Nummer 2 von einer Klassenfahrt an den Strand. Diesmal von Stephi, die mit ihrer Schule ebenfalls nach Atacames gefahren ist. Mit ein wenig finanzieller Unterstützung von euren Spenden!!!

Bericht gibts auf der rechten Spalte bei Projekte!!!

Bienvenidos a Alemania

•20 Juni, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Ja, ich bin wieder da! Eigentlich sogar schon seit einer Woche und nicht erst seit gestern, aber das ist eine längere Geschichte. Ich wollte nur schnell Bescheid sagen, dass ich heil und gesund gelandet bin. Einen ausführlichen Endbericht inklusive Überraschungen und Freudentränen werd ich in den nächsten Tagen online stellen. Im Moment bin ich noch ziemlich im Stress mit den ganzen Unibewerbungen. Aber keine Angst, da kommt ganz bestimmt noch ein allerletzter Bericht!

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Sieben Tage Ecuador – Der Countdown laeuft

•11 Juni, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Fuer mich leider in die falsche Richtung. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich von hier einfach nicht weg will. Heute ist es noch genau eine Woche. Langsam faengt schon das Abschiednehmen an, da ich bei manchen nicht weiss, ob ich sie in den letzten Tagen nochmal sehen werde.
Nur noch sieben Tage Ecuador. Die Kinder in der Schule fragen mich schon, warum ich denn gehen muss und warum ich nicht einfach bleiben kann. Jedes mal denk ich darueber nach und weiss eigentlich nicht, was ich darauf antworten soll. Warum kann ich nicht einfach hier bleiben und mein Leben so weiterleben wie bisher? Ja, ich weiss, man muss arbeiten gehen und Geld verdienen und vernuenftig sein. Trotzdem macht das traeumen mehr Spass… Da wuerde ich einfach bleiben und mit den Leuten hier weiterleben wie bisher.
Doch nicht nur wegen den Leuten in Cambugán und den Kindern will ich bleiben, sondern auch wegen den anderen Freiwilligen. Wir haben uns so gut verstanden und es gab nicht einen, den ich nicht gern dagehabt haette. Mittlerweile sind mir alle sooo wichtig geworden, dass ich gar nicht weiss, wie ich das in Deutschland ohne sie schaffen soll.
Auch das Leben in Ecuador werde ich vermissen. Jeder hat Zeit, es gibt kein Stress und keine Verpflichtungen. Kommt man heute nicht, kommt man eben morgen. Was man jetzt nicht macht, macht man eben in 3 Stunden. Manchmal laufen wir Sonntags auch einfach nur durch Otavalo, ohne richtiges Ziel oder einer Idee, was wir eigentlich machen wollen. Aber genau das Leben hier so besonders. Vor allem so besonders lebenswert.

Hier in Ecuador, habe ich gelernt, mein Leben zu leben und vor allem zu geniessen. Ich glaube ich kann wirklich sagen, dass ich in diesen 10 Monaten so gluecklich war wie noch nie. Das hoert sich ein bisschen doof an, ist aber wirklich so.

Ja, und jetzt sind es nur noch sieben Tage, die ich hier bin und in acht Tagen bin ich schon wieder in Deutschland. Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht. Hoffentlich vergeht sie genauso schnell, und ich sitze wieder hier, mit allen anderen Freiwilligen und alles ist so wie frueher :-) .

Das wird erstmal die letzte Nachricht von mir aus Ecuador sein, denn naechsten Freitag (oder Samstag oder wann auch immer) sehen wir uns ja schon wieder. Ich bin wirklich gespannt, wie ich das Leben in Deutschland nun sehe und wie die ersten Tage fuer mich werden.

Also, wir sehen uns! Bereitet schonmal alles auf meine Rueckkehr vor, dass mit das Einleben nicht ganz so schwer faellt. Bis in einer Woche!!!

Neuer Projektbericht & Die Zeit vergeht…

•31 Mai, 2009 • 1 Kommentar

… und wir haben noch sooo viele Plaene!

Ja deshalb muss ich mich hiermit mal entschuldigen, dass in letzter Zeit nicht mehr wirklich viel hier passiert. Aber da mit nur noch 2 1/2 Wochen in Ecuador bleiben, muss ich einfach im Moment schauen, dass ich alles unterbekomme, was ich noch machen muss/wollte. Ich hoff ihr versteht das. Ich erzaehl euch dann in Deutschland gaaanz genau was alles noch passier ist!

Dafuer gibts es schonmal einen neuen Projektbericht. Ich habe ja schon geschrieben, dass wir an die Kueste fahren wollten. Ja, das haben wir getan. Aber lest selbst. Auf der linken Seite unter Projekte!

6 Freunde, ein Auto, ein Ziel

•16 Mai, 2009 • 2 Kommentare

Soviel erstmal zu unserem Ausflug am Wochenende, denn zuerst muss ich natuerlich noch von dem Cielo Azul Fussballturnier berichten.

Das fand am Freitag in Otavalo statt, und alle Schulen von Cielo Azul waren eingeladen. Das heisst, jede Schule konnte eine Jungenmannschaft und eine Maedelsmannschaft bringen. Das fiel den groesseren Schulen natuerlich um einiges leichter als den kleineren. Angemeldet waren dann auch alle Schule, ausser Cambugán und Motilon. Die hatten am gleichen Tag naemlich ein Fussballspiel von unserem Sektor. Schade, aber so hatte ich weniger Stress und konnte mehr helfen. Und Gualapuro kam auch nicht. Annekes Schule ist so klein, dass es nur 16 Kinder gibts und die nur in der 1. und 2. Klasse sind…
Als ich am Donnerstagmittag ins Haus kam, war soweit schon alles vorbereitet. Wir mussten nur noch den Kaese fuer die Sandwichs schneiden und nebenbei den armen Stuart beruhigen. Der hatte naemlich alles ganz alleine von seinen Spendengeldern organisiert und war merklich nervoes :-) .  Am Abend bin ich noch mit Stephi und den chicos von letztem Wochenende was trinken gegangen, wo wir doch schonmal in Otavalo waren…

P1100014Freitagmorgen. Um 6.30 Uhr klingelte der Wecker, leider viiiel zu frueh. Aber es war Zeit aufzustehen, schliesslich mussten wir Stuart bisschen unter die Arme greifen. Als erstes sind wir in den Park gefahren, wo das Turnier stattfinden sollte. Da stellten wir erstmal in aller Ruhe die mitgebrachten Tore auf und ein „Zelt“, um die Sachen im Schatten zu lagern. Nach und nach kamen auch die anderen Freiwilligen mit ihren Schule (die Haelfte von Stephis Schule war wohlgemerkt um halb 7 Uhr schon da), so dass wir puenklich um 9 Uhr nach Zeitplan anfangen konnten, die Teams zu registrieren. Alles lief soweit echt gut und wir waren gut in der Zeit, wenn da nicht die kleine Meckertante aus San Augustin gewesen waere. Mit der haben wir uns so Anfang gleich P1100023schonmal angelegt, als sie meinte, wir haben ja keine Ahnung und wir muessten puenktlich um 9 Uhr anfangen zu spielen, wo doch der Spielbeginn fuer 10 Uhr auf dem Plan stand. Stephi hat sie dann sogar freundlich gebeten, doch nach Hause zu gehen, falls es ihr nicht passen sollte :-) . Das brachte die „arme“ Frau natuerlich total aus der Fassung… Aber egal.
Um 10 Uhr war Spielbeginn und alles lief super. Da mein Team nicht da war, war ich mehr die Sekretaerin und hab mich um den Zettelkram gekuemmert, da der arme Stuart pausenlos als Schiedsrichter eingeteilt war. So war es meine Aufgabe, zu Beginn der 15 Spielminuten einmal laut zu pfeifen, und nach Ablauf der 15 Minuten einmal laut zu pfeifen. Immerhin eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. In den 5 Minuten zwischen den Spielen, bin ich dann wie wild hin und her gerannt um von allen Schiedsrichtern das Ergebnis aufzuschreiben. Dann wieder einmal pfeifen, zum Spielbeginn und dann hatte ich wieder 15 Minuten Pause :-) . Jaaa, meine Aufgabe war nicht die stressigste, aber immerhin musste das auch gemacht werden.
Es war alles wirklich super organisiert, so dass man sich echt nicht beschweren konnte. Eigentlich… Denn die Meckertante aus San Augustin fand natuerlich trotzdem was. Als ihre Schule 0:1 verloren hatte, ging sie wie einP1100026e wild gewordene Furie auf den armen Lorenz los, der Schiedsrichter war, und meinte, sie habe das Tor ja gar nicht gesehen, also war es auch keins. Ja, aber da der Schiedsrichter sagt, da war eins, war da wohl auch eins. „ACH! Und in welcher Minute war das denn???“ Hm… das wusste natuerlich keiner, ist aber ja auch egal…. „Ihr habt ja keine Ahnung von Fussball! Man muss das immer aufschreiben! Dass sowas nicht passiert!!!!! *bla bla bla*….“ Ja gute Frau, aber sie haben wohl auch keine Ahnung von Fussball, denn ist es nicht immer so, dass das was der Schiedsrichter sagt, einfach gilt?! Ich glaube wir haben es uns mit P1100028der Señora an dem Tag alle etwas verschissen, aber davon geht die Welt auch nicht unter :-) .
Nachdem alle Spiele beendet waren, gab es erstmal einen kleinen Snack. Sandwich und Obst, bevor es ins Halbfinale ging. Das wurde dann doch richtig spannend und beim Finale der Jungs am Ende fieberten alle total mit. Es war „La Rinconada“ gegen „Pijal Alto“. Naja, die Groessenverhaeltnisse waren nicht ganz gerecht und so war es auch kein Wunder, dass La Rinconada am Ende gewann. Natuerlich ganz zur Freude von Startrainer und Freiwilligen Sven!
Bei der Siegerehrung, ausgetragen durch Stephi und mich (das ihr seht, dass wir auch was getan haben *g*), gab es fuer die 1. und 2. Plaetze je eine Medallie und fuer die 1. noch einen Pokal.
Ich muss sagen, es war wirklich ein gelungenes Turnier ohne grosse Verbesserungsvorschlaege. Ausser… naechstes Jahr koennte man vielleicht die Meckertante aus San Augustin Zuhause lassen… Aber auch den Kindern hat es super Spass gemacht, und hier nochmal DANKE STUART fuers organisieren! War super!

Nachdem die Arbeite getan war, wurde es hoechste Zeit, unser Wochenende zu planen. Welchen Berg sollten wir als naechstes besteigen? „NEIN, kein Berg mehr. Ich hasse Berge!“ so Stephis Worte. Also wohl kein Berg mehr. Dann doch lieber nach Oyacachi in die Termalbaeder. Das hoert sich doch gut an!
Geplant war, dass wir Samstag so gegen Vormittag losfahren. Aber Samstagvormittag ging keiner von den chicos die mitkommen wollten ans Handy… Na toll… Es wurde immer spaeter und spaeter und so beschlossen Stephi und ich eben alleine loszuziehen. Wir hatten zwar keine Ahnung wohin, aber das wuerde man schon irgendwie finden. Kurz bevor wir loswollten hab ich doch noch Christian erreicht. Er meinte, sie Essen gerade, kommen aber SOFORT! Nach einer halben Stunde sassen sie immernoch beim Essen, aber als ich meinte, dass wir dann eben allein schonmal vorgehen, waren sie keine 10 Minuten spaeter da. Mote, Christian, Pablo und Mula. Die von letztem Wochenende. Ja, und so sassen wir erstmal da und sie meinten immer nur: „¡No hay carro!“ Ja ist doch egal ob es ein Auto gibt oder nicht, dann fahren wir eben mim Bus. „¡No hay bus!“ Natuerlich gibt es Busse. Steht doch im Reisefuehrer… Nene, gibt keinen… So ein Quatsch. Und als wir meinte, dann gehen wir eben alleine hiess es nur: „Jaja, wir schauen mal nach…!“ Und 15 Minuten spaeter sassen wir in Christians Jeep auf dem Weg nach Oyacachi. Siehste, gibt wohl ein Auto. Auch wenn es wirklich nicht das Beste war. Vorne sassen Christian, Mula und Pablo und hinten drin (da waren 4 enge Plaetze) P1100044Stephi, Mote, ich und ca. 50 Rucksaecke, Taschen, Schlafsaecke, Wasserflaschen,….. Kurzgesagt: Es war eng! Und bei jedem Stopp kam noch mehr Zeug dazu, bis wir sogar einen kleinen Topf dabei hatte, um den Trago heiss zu machen…
So ging es erstmal bis nach Cayambe. Dort mussten wir erstmal noch Batterien fuer die Boxen kaufen, und dann ging es endlich Richtung Oyacachi. Die Strasse war eine Schotterstrasse mit mega vielen Loechern. So wurden wir die ganze Zeit richtig doll hin und her geschuettelt und das in so einem engen, alten Auto. Was fuer ein Spass. Irgendwann meinte Christian: „Chuta, der 2. Gang geht nicht rein!“ Ui, das ist aber doof. Den braucht man naemlich schon ziemlich oft. So hielten wir auf dem Weg P1100055ueber Stock und Stein bestimmt 5 mal an, um nachzuschauen. Das heisst, die anderen schauten nach und wir warteten geduldig. Es ging eigentlich ganz gut, fand ich. Bis wir nochmal anhielten. Und diesmal richtig. Motorhaube auf und erstmal schauen. Ja… sah nicht gut aus. Das Kuehlwasser kochte und als Pablo versucht hat, irgendweinen Deckel von irgendwas zu oeffnen, ist ihm der total um die Ohren geflogen :-) . Also gut. Pablo erstmal unters Auto, Christian und Mula von oben im Auto und Stephi, Mote und ich hinten im Auto, am chillen :-) . Was P1100066sollten wir auch gross tun… Wir standen da bestimmt 1 ½ Stunden und ich dachte schon, wir kommen niemehr an. Die Sonne ging schon langsam unter und so sahen wir wenigstens den Cayambe wolkenfrei im Sonnenuntergang. Auch was schoenes. Aber eigentlich wollte ich ankommen. So gegen 18 Uhr war das Auto P1100072dann wieder startklar. Das Kuehlwasser abgekuehlt und der Rest profesionell mit einem Bademantelguertel geflickt. Man kann echt nichts sagen. Die hatten ihren kompletten Werkzeugkoffer im Auto und auch echt Ahnung. So ging es bald weiter und nach einer weiteren gefuehlten Ewigkeit durch Nacht und Nebel kamen wir um 19.30 Uhr endlich in Oyacachi an. Das ist ein kleines ausgestorbenes Dorf im Nichts.

P1100102 profesionell repariertes Auto (–> Bademantelguertel & Schuhbaendel!)

P1100103 der Cayambe im Sonnenuntergang

Wow. Erstmal was leckeres Essen. Fuer die Maenner gabs Forelle, fuer Stephi und mich Reis mit Spiegelei, como siempre. Danach wollten wir endlich ins Bad. Wir hatten ja auch extra unser Zelt mitgebracht, da man dort anscheinend zelten kann und die ganze Nacht baden kann. Leider war die Tuer aber schon mit einem fetten Schloss verriegelt und wir standen dumm davor. Ein netter Nachbarsmann meinte aber, wir koennen einfach rein und sollen morgen eben zahlen. Das waere kein Problem. Aber da die Tuer ja zu war, mussten wir erstmal ueber den Zaun klettern, was gar nicht so einfach war. P1100109Und dann waren wir endlich drin. Ganz alleine! Cool…
Die Jungs beschlossen dann, das Zelt doch in einer kleinen Huette aufzubauen, wo Stephi und ich jedoch strikt dagegen waren. Ich geh doch nicht in einem Haus Zelten! So ein Quatsch. „Aber wo denn dann? Etwa auf der Wiese *haha*???“ „Jaaaa, wo denn sonst?“So haben wir das Zelt einfach nach draussen auf die Wiese getragen und angefangen aufzubauen. Die MAENNER standen wohlgemerkt einfach daneben, und haben nur dumme Kommentare losgelassen, statt zu helfen. Ja, darauf koennen wir auch verzichten. So haben wir sie erstmal weggeschickt, um den Trago schonmal warm zu machen.
Als wir dann wiederkamen, und unsere zwei Zelte aufgebaut hatten, war natuerlich noch NICHTS passier :-) , aber was haetten wir auch anderes erwartet. Irgendwann war dann auch der Trago fertig. Also der Topf voll Wasser gekocht, dann ein kleines Glaeschen Trago rein und dazu, fuer den Geschmack, noch ein bisschen Saftpulver. Lecker! :-) Zwischendurch kam leider noch der Badbesitzer und hat uns etwas angeschnauzt, dass wir nicht einfach so einbrechen koennen und und und… Ja, versteh ich ja auch aber jetzt waren wir eben schonmal drin…
Und so sassen wir den ganzen Abend in dem heissen Becken. Es war wirklich mega heiss! Also nach 5 Minuten war es zu warm und man musste raus, und nach 5 Minuten draussen war es zu kalt und man musste wieder rein. Echt stressig. Aber trotzdem total entspannend  und schoen. Nebenan war noch ein Fluss, in den man auch ab und zu mal reinsteigen konnte. Der war total erfrischend und eigentlich eher saukalt! Aber ist immerhin gut fuers Immunsystem, oder :-) ?

Die Nacht im Zelt war wirklich richtig kalt, aber wir habens ueberlegt. Morgens um 7.30 Uhr machten Christian und Mula ploetzlich total Stress und keine halbe Stunde sassen wir im Auto nach Hause. Ich weiss echt nicht, warum wir so schnell „fluechten“ mussten, aber auch egal. Also wieder rein ins enge Auto und zurueck auf die Hoppelstrasse. Der Rueckweg ging um einiges schneller als der Hinweg, aber trotzdem waren wir mit dem Auto ziemlich langsam unterwegs :-) .

Montag hatte ich zufaelligerweise keine Schule, da fast alle Lehrer irgendeine Reunion hatten. Auch nicht schlecht. Noch ein Tag zum entspannen…

So, was es sonst noch zu erzaehlen gibt. Da es langsam wirklich nicht mehr lang ist, fragt ihr euch bestimmt, was ich mit meinen Spendengeldern machen will. Ja, das habe ich mich auch gefragt :-) . Aber keine Angst, ich geh damit nicht endlich mal wieder schoen shoppen, obwohl das wahrscheinlich auch mal wieder noetig waere, sondern wir machen einen Ausflug.
Die Kinder, zumindest die aelteren, meinen die ganze Zeit, dass sie mal an die Kueste wollen. Die wohnen hier so nah an der Kueste, und waren noch nie da. Und da es den Eltern nicht wichtig ist, dass sie gehen und sie auch das Geld nicht haben, werden sie wohl nie im Leben an die Kueste kommen. So hab ich mit meinen Lehrern und auch schon mit den Eltern gesprochen, und es steht nun fest, dass wir einen Ausflug an die Kueste machen werden. Die Eltern waren auch alle dafuer. Ich zahle den Bus, und sie zahlen Hostal und Essen. So hiess es. Das waeren $ 15 pro Kind. Ich fand das schon ganz schoen viel aber meine Lehrer meinte, das passt schon.
Ja… Eine Woche spaeter frage ich, wie viele denn nun gehen, um mich nach Hostals zu erkunden. Da meinen alle nur, dass sie nicht gehen duerfen. Atacames sei zu gefaehrlich, da gaebe es Allergien, das Wasser waere schmutzig und da ist ausserdem die Schweinegrippe. Da duerfen sie nicht hin. Die Eltern wollen lieber, dass ich ALLE, also samt Eltern, nach Chachimbiro, zu den heissen Quellen mitnehm. So ein Quatsch. In Atacames ist weder die Schweinegrippe noch ist das das Wasser arg viel schmutziger. Ausserdem wollten doch noch alle Eltern mit, als ich das erzaehlt habe und jetzt wollen sie die Kinder nicht schicken. Na super… Dann geh ich eben nur mit 6. und 7. Klasse. Die gehen auf jeden Fall. Eigentlich wollte ich noch 4. und 5. Klasse mitnehmen, aber ob das klappt weiss ich noch nicht. Ja, so ist die Situation. Mal schauen was draus wird. Ich werde nochmal mit den Eltern reden und sagen, dass sie nur $ 10 zahlen muessen und dann doch bitte die Kinder schicken sollen, da sie das wirklich wollen!

Ein anderer Teil des Geldes werde ich Stephi geben, dass sie mit ihren Kindern auch an die Kueste fahren kann. Sonst muessten sie auch $ 15 pro Kopf zahlen, und das ist wirklich viel wenn man allein schon 2 Kinder hat. So wird auch sie mit einem Teil der Spenden an die Kueste fahren und natuerlich einen kleinen Bericht mit Bildern schicken.

Ja, man kann jetzt sagen, dass das Geld doch fuer andere Sachen viel besser eingesetzt werden koennte, irgendwas langfristiges und nicht nur ein Ausflug. Aber die Kinder hier kennen einfach nur ihre Comunidad und gerade mal Otavalo. Sie waren noch nie irgendwo auf Reisen, obwohl alles so nah und billig ist und werden es wie gesagt wohl auch nicht mehr machen. So finde ich es eine gute Moeglichkeit, mich von den Kindern zu verabschieden und ihnen ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Ich hoffe, ihr stimmt mir da zu :-) .

We survived Iliniza Norte! – aber auch nur fast…

•7 Mai, 2009 • 4 Kommentare

1. Mai… Alle haben frei, die Sonne scheint und man macht eine schoene kleine Wanderung mit anschliessendem Grillen. So war es zumindest bis jetzt immer. Aber da wir hier in Ecuador sind ist alles eben ein bisschen anders.

1. Mai in Ecuador… Die Lehrer haben frei, die Koffer werden gepackt und alle Freiwilligen fahren nach Canoa an die Kueste um sich zu erholen und ein bisschen Sonne zu tanken.

Alle? – Nein, natuerlich nicht alle! Stephi, Maike, Manuel und ich nicht. Waere ja auch langweilig, wenn alle immer das selbe machen wuerden oder? So haben wir beschlossen, mal wieder ein richtiges Abentuer zu erleben. Lesen sie jetzt Teil 5: „We survived Iliniza Norte!“ Oder doch nicht…?
Amerkung des Autors: Ich werde diesen Bericht natuerlich so realistisch wie moeglich schreiben und deshalb auch meine Gefuehle und Gedanken nicht auslassen. Ich bitte sie nur Verstaendnis zu haben, und mich nicht hinterher wegen meinen Gefuehlen und Gedanken waehrend des Aufstiegs auszulachen.

Der folgende Bericht ist fuer besonders nervenschwache Menchen zensiert (–> MAMA) :-)

Donnerstagabend. Gemischte Gefuehle im Freiwilligenhaus. Waehrend die Mehrheit der anderen Handtuecher, Bikini und Sonnencreme in ihre Rucksaecke schmeissen, herrscht bei Stephi, Maike, Manuel und mir leichte Anspannung. Ist es die richtige Entscheidung den Berg zu besteigen? Was, wenn Christans Freunde total profesionell sind und wir nicht hinterherkommen? Sind wir schon bereit fuer so einen Berg? Was muss man denn ueberhaupt mitnehmen? Um diese ganzen Fragen zu klaeren, bin ich mit Stephi ins Hostal gelaufen, um dort Pablo ueber alles auszuquetschen. Wie schon erwaehnt, ist Pablo ein guter Freund von Christian und war immerhin schon beim Fuya Fuya, der Caminata, Cuicocha und dem Imbabura dabei. Er sollte schon wissen wovon er spricht. „Einen Schlafsack, eine Garnitur Waesche zum wechseln falls was nass wird, Wasser und bisschen was zu essen. Mehr braucht ihr nicht!“ So Pablos Worte. „Schwer ist es auch nicht. Das schafft ihr schon!“ Naja, leider war er da nur auch noch nicht oben und wusste es wohl genausowenig wie wir. Aber gut, so schwer sollte es schon nicht werden.
So gegen 21 Uhr verlaesst die Canoa Truppe dann endlich das Haus und wir konnten uns in Ruhe auf unser Vorhaben vorbereiten. Schlafsack, 3 paar Socken, Jogginghose, Jeans zum wechseln, Muetze, Handschuhe, eine Rolle Klopapier zum Nase putzen, kleinen Rucksack, T-Shirt, langarm Shirt, Fleecepulli, noch ein Pulli, Schal, Sonnencreme, Asirin, Foto,… Der Rucksack wurde immer voller und wir wissen immernoch nicht ob wir das alles brauchen. Ist der Rucksack zu gross? Kommen die anderen auch mit so einem grossen Ding? Den Kopf voller Gedanken gehen wir gehen 22 Uhr ins Bett.

Freitagmorgen. Das Abenteuer beginnt! Punkt 8 Uhr stehen wir im Hostal, wo wir Christian, Pablo und Mario treffen, der sich kurzfristig entschlossen hat, doch lieber mit uns zu kommen anstatt nach Canoa zu fahren (Na ob das die richtige Entscheidung war?). Beruhigt sehen wir, dass die anderen zwei auch so einen grossen Rucksack dabei haben. Um 8.15 Uhr laufen wir schonmal los zum Treffpunkt. Christan und Pablo muessen noch fruehstuecken und kommen sofort nach. Mit dem Auto wohlgemerkt, um Kraefte zu sparen. Am Treffpunkt warten schon ein paar von Christians Freunden. Voller Schrecken p1090809sehen wir deren Ausruestung. Eispickel, Seil und eine seltsame Anglerhose. Ui… Die sind wohl doch profesioneller als wir dachten… Langsam kommt auch der Rest und wir koennen los. Es geht zum Terminal. Langsam trotten wir den anderen hinterher. Was fuer ein Bild. Sieben profesionell aussehende Bergsteiger und dann wir…
Wir fahren nach Quito wo wir noch Christans Bruder Dani treffen. Von dort geht es weiter im naechsten Bus nach Machachi. Der Bus ist eng und unsere Rucksacke liegen mitten im Gang. Dauernd kommen Leute die vorbei wollen und wir muessen immer wieder den Gang freiraeumen. So gegen 13 Uhr kommen wir in Machachi an. Auf in den Supermarkt, Wasser kaufen und dann los! Aber halt – wir sind doch in Ecuador! Also erstmal gemuetlich zu Sanitagos Tante laufen um nochmal eine letzte Kleinigkeit zu essen. Reis mit Spiegelei. Das mit den Linsen dazu bekommen sie irgendwie nicht auf die Reihe. Mittlerweile ist es schon 14 Uhr. Unsre Hoffnungen, noch bei Tageslicht am Refugio anzukommen schwinden und auch Mechas, der Guide, wird langsam unruhig.
Nach dem Essen laufen wir zum Supermarkt, um noch Wasser fuer den Aufstieg einzukaufen und etwas Thunfisch fuer das Abendessen. Dann geht es weiter im naechsten Bus nach Chulpi. Das Wetter wird immer schlechter. Es p1090814faengt an zu regnen und neblig ist es auch. Unsere Lust den Berg zu besteigen vergeht mindestens genausoschnell wie die Zeit. Nach einer halben Stunde kommen wir in Chulpi an. Keine Menschenseele zu sehen. Dabei wollen wir doch nur eine Camioneta die uns so weit wie moeglich zum Iliniza faehrt. Immerhin finden wir auch eine, leider erst nach weiteren 20 Minuten warten. Aber aendern kann man daran ja auch nichts, also alle 13 Mann rein und los gehts!
Nach einer halben Stunde fahrt muessen wir raus. Der Fahrer will uns nicht weiter hochfahren, da sie Strasse zu schlecht ist. Als wir aussteigen sehen wir p1090828in weiter Ferne den Iliniza! Ach du sch***… Die Huette ist auf ca. 4700m und der Berg ist 5200m hoch. Das heisst, wir muessen bis fast ganz hoch laufen! Wir stellen uns auf einen langen Marsch ein als wir um 16 Uhr loslaufen, den wir wohl nicht mehr bei Tageslicht beenden werden koennen. Was fuer Aussichten…
Mit etwas mulmigem Gefuehl laufen wir die Strasse weiter als schon das erste Hindernis zu sehen ist. Ein gut 3m breiter Fluss, der genau ueber die Strasse fliesst. Och nein, ich will nicht mit nassen Fuessen weiterlaufen muessen… Aber zum Glueck gibt es ein kleines Holzbrett, das als Bruecke dient. Danach geht es weiter, immer der Strasse nach. So langsam wird uns warm und bei der ersten Pause stehen allen schon die Schweissperlen auf der Stirn. Mich p1090836aergert es zu wissen, dass man das ganze Stueck eigentlich noch haette fahren koennen… Aber es hilft nichts, wir muessen weiter. Um den Weg etwas abzukuerzen laufen wir querfeldein. Zum ersten Mal wird es anstrengend. Gut dass wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, was noch alles auf uns zukommen sollte. Nach 1 ½ h Marsch haben wir den Parkplatz „la virgen“, die Jungfrau, erreicht. Hier stehen Autos. Wie aergerlich… Und wir sind alles gelaufen… Auf einem Schild steht die Hoehe: 3900m! Bei 3400m sind wir losgelaufen und auf ca. 4700m muessen wir noch hoch. Nichtmal Halbzeit!
Nach einer kurzen Pause geht es weiter. Die Strasse hoert langsam auf und es geht durch Wiesen und Gebuesch etwas bergauf. Es faengt an zu regnen. Auch p1090839das noch. Also Regenjacke an, Kaputze auf, Regenschutz ueber den Rucksack und weiter gehts. Den Blick stets nach unten, immer auf die Fuesse des Vordermanns gerichtet. Wir laufen schon eine gefuehlte Ewigkeit. Mittlerweile wird es langsam aber sicher dunkel. Der Grossteil der Gruppe ist schon voraus, zwei sind hinter uns, aber alle ausser Sichtweite. Ich bekomme Angst. Es sind nur noch Maike, Stephi, Maunuel, Mario und ich da. Es wird daemmrig. Bald werden wir nichts mehr sehen. Wo sind die anderen? Ich will mich nicht verirren! Jeder weiss, dass man nicht im Dunkeln alleine in den Bergen rumlaufen sollte. Meine Gedanken machen was sie wollen. Ich bete nur noch, dass wir hoffentlich bald ankommen und niemandem was passiert. Da sehe ich Mechas vor uns. Er wartet! Und hinter ihm der Rest der Gruppe. Was fuer eine Erleichterung. Wenigstens sind wir nichtmehr allein. Wir machen eine kleine Pause. In 20m Entfernung stehen Zelte und es brennt ein Feuer. Wie schoen waere es in diesen Zelten zu schlafen… Aber unser Ziel ist das Refugio. Irgendwer fragt nach der Hoehe. Christians Hightech-Uhr sagt 4200m. Das haette ich lieber nicht gehoert. Jetzt bin ich noch frustrierter. Ich hatte gehofft schon weiter zu sein.

Es geht weiter. Die anderen haben ihre Haedlamps ausgepackt und eingeschaltet. Leider haben wir nur 3 oder 4 Stueck. Ich stecke mir die Ipod  Stoepsel in die Ohren um etwas abgelenkt zu werden. Wir sehen nicht mehr viel. Leise hoere ich Mechas sagen: „Wir muessen nur noch den Huegel hier hoch, dann sind wir da!“ Das Huegel muss aber ganz schoen steil sein, da uns noch ganz schoen viel Hohe fehlt… Und da ist er auch schon. Der ganz schoen steile Huegel. Es regnet immernoch. Ich rutsche aus. Wertvolle Kraft geht verloren. Erst jetzt merke ich, dass sogar schon etwas Schnee auf dem Boden liegt. Sonst ist es sandig. Bei jedem Schritt nach oben rutschen wir einen halben wieder runter. Ich habe keine Lust mehr. Pause! Die anderen ueberholen mich. Egal! Ich bete einfach nur, dass wir doch bald ankommen oder dass der Regen endlich aufhoert. Mein Rucksack fuehlt sich immer schwerer an. Der Berg nimmt kein Ende. Ich kann nicht mehr. 40 Schritte, dann Pause. Wieder 40 Schritte, und Pause. Blick nach oben. Ich sehe nur Berg und Dunkelheit. Ich will nicht mehr. Warum setze ich mich nicht einfach hin und lauf keinen Schritt mehr weiter? Ich bin kurz davor. Aber irgendwann muss ich ja trotzdem hochlaufen. Am liebsten wuerde ich heulen und einfach umdrehen und zuruecklaufen. Wie ich spaeter erfahre, waere Stephi sogar sofort mitgekommen :-) . Aber das ist ja auch Quatsch. Ich brauche eine Pause. Die mittlerweile 49ste. Immernoch kein Ende in Sicht. Ich schicke das naechste Stossgebet zum Himmel und laufe 40 Schritte weiter. Neben mir sehe ich den Abgrund. Mittlerweile ist es mir auch egal, ob mich alle fuer ein Weichei halten wenn ich mich hinsetze und anfang zu heulen. 40 Schritte weiter. Blick nach oben. Mein Hirn schaltet sich ein und sagt: Hinsetzen bringt auch nichts. Wir muessen oben ankommen. In Gedanken male ich mir aus, wie schoen es sein wird, im Refugio anzukommen, was zu essen und einfach in den warmen Schlafsack zu liegen. Aber wo ist das verfluchte Refugio? Es ist immernoch dunkel und es regnet. Langsam wird es flacher. Meine Fuesse laufen von selbst immer weiter waehrend mein Kopf am liebsten umdrehen wuerde. In der Ferne sehen wir Licht. Kann das war sein? Mechas spricht endlich die erloesenden Worte: „Das ist das Refugio!“ Und ehe ich es begreife stehen wir schon direkt davor! Erschoepft muss ich grinsen.

Endlich! Aber in der Tuer staut es sich. Warum gehen die andern denn nicht rein? Und dann sehe ich es auch. Der ganze Fussboden ist voll mit Menschen. p10908423Alle in ihren Schlafsaecken, Schulter an Schulter. Oh nein! Und wo schlafen wir? Mir ist alles zuviel. Ich will mich einfach nur hinlegen. Aber wo? Oben sei noch Platz hoere ich. Aber was ist „Oben“? Ich hole meinen Schlafsack aus dem Rucsack und ziehe meine nassen Sachen aus. Nie wird das bis morgen trocken sein! Egal. Ich habe zum Glueck noch einen letzten trockenen Pulli. Die anderen fangen an zu kochen waehrend ich langsam sie wackelige, vollgestopfte Leiter nach oben klettere. Es sind einfach ein paar Holzbretter, mit Platz fuer ca. 7 Leute oder so. Irgendwie schaffe ich es, meinen Schlafsack auszupacken und irgendwelche Klamotten auf die harte Leiter an meinem Kopf zu legen. Das tut p1090841gut. Ich steh nie wieder auf! Aber es ist kalt. Richtig kalt! Ich zittere und sehe mich schon die ganze Nacht wachliegen und zittern. Christian legt sich neben mich und ich hoere ihn sagen: „Wer ist das denn, der da neben mit so zittert?“ Pablo leiht mir seinen Pulli. Irgendwie muss ich den in meinen Schlafsack bekommen und mich damit zudecken. Aber selbst das ist mir zu viel. Mir tun die Arme weh. Ich bekomme mit, dass die anderen einen Topf mit Reis gereicht bekommen. Ich habe auch Hunger, aber mir ist total schlecht und ausserdem kann ich mich einfach nichtmehr aufrichten. Christian gibt mir eine von Pablos Tabletten. Sie selbst nur zu nehmen ist ein riesen Kraftaufwand. Aber sie hilft. Schon bald ist mir nichtmehr ganz so schlecht und ich schlafe ein. Immernoch leicht zitternd.
Als ich aufwache spuere ich erst, dass es eigentlich total unbequem ist auf dem harten Boden, ich keinen Platz habe und selbst die Fuesse noch am Fussende ueberhaengen. Ich kann nicht mehr schlafen. Es ist gerade mal Mitternacht. Irgendwie doese ich so vor mich hin, schlafe aber nicht. Den anderen scheint es nicht anders zu gehen. Die ganze Nacht ueber hoert man Stimmen. Es sind bestimmt gut 30 Leute in der kleinen Huette. Da ich wach bin, fange ich an mich mit Mario und Christian zu unterhalten. Ich glaub ich nerve alle, aber egal. Da bekomme ich Hunger. Vorsichtig steige ich ueber alle Schlafenden zur Leiter und klettere nach unten. Auf dem Herd steht noch der Reis. Nach 3 Loeffeln tut mir der Hals weh, da der Reis so kalt ist! Wieder zurueck ins Bett. Ein Teil der anderen Gruppe steht auf und macht Kaffee. Ich wuerde gern wieder P1090840schlafen, aber die Stimmen von Rosiiita und Maaauro sind so druchdringend, dass es unmoeglich wird. Eigentlich wollten sie um 3 Uhr auf den Iliniza Sur loslaufen, den schwereren Berg, aber die Wetterverhaeltnisse sind zu schlecht. Ich weiss nicht wann sie endlich weg sind, aber wir schlafen doch alle nochmal ein.
Bis 5.30 Uhr. Da macht sich der zweite Teil der Gruppe auf den Weg zum Iliniza Norte und wecken uns alle auf. Aber eigentlich wollen wir ja auch langsam los, so ist das nicht mehr ganz so schlimm. Langsam schaelen wir uns aus den Schlafsaecken, ziehen uns die mehr oder weniger immernoch nassen Klamotten und Schuhe an und laufen los. Ohne Fruehstueck.

P1090847Es ist ca. 7 Uhr und der Himmel sieht fuer kurze Zeit echt gut aus. Die ersten paar Meter geht es eigentlich nur leicht den Berg hoch, aber meine Beine fuehlen sich total schwer an. So komme ich ja nie am Gipfel an… Nein halt! Das ist die falsche Einstellung. Klar kommen wir an. Schlimmer als gestern Abend kann es gar nicht werden. Ich glaube, da sind wir alle an unsere Grenzen gekommen, oder sogar noch weiter… Es geht durch Sand und Schnee. Einfach der Nase nach immer Richtung Spitze. Die Anstrengung laesst langsam nach, da wir eh nur langsam vorankommen. Dann wird es steil. Fast senkrecht P1090852laufen wir den Berg hoch und rutschen immer wieder in Stueck zurueck. Endlich kommen wir bei den Felsen an. Ab da wird es einfacher, aber vielleicht auch etwas gefaehrlicher. Wir klettern mal links mal rechts um die grossen Felsen, ueberall liegt noch Schnee. Dann wissen unsere zwei Guids nicht wohin. Vor uns ist ein riesen Berg uns weder rechts noch links sieht es gut aus. Wir entscheiden uns, rechts mit dem Seil hochzuklettern. Das wird spannend. Stephi und Maike hat der Ehrgeiz verlassen und entscheiden sich, beim Anblick des Weges, lieber unten auf uns zu warten.
Wir restlichen 11 Laufen weiter und ziehen uns mit Hilfe des Seils den Fels P1090862nach oben. Nur nicht loslassen! So schlimm ist es gar nicht. Von da an geht es, mal steil, mal flach, immer weiter Richtung Gipfel. Da klart der Himmel auf und vor uns sehen wir eine maechtige Felsspitze. Da kommen wir ja nie hoch!, denke ich nur, als Mechas meint: „Das ist noch nicht der Gipfel. Da muessen wir rechts aussenrum laufen!“ Ach du liebe Guete, das auch noch. Der Weg um diese Spitze rum ist schwerer als gedacht. Vor allem fuer Christian, der irgendwelche komischen Schneeschuhe anhatt und sich auf den Felsen total schwer tut. Wir muessen ein steiles Stueck herunterklettern. Oder sollen wir doch lieber zurueck und noch weiter aussenrum? Wir sind mittlerweile auf 5000m angekommen. Mote und ich finden, dass das eigentlich auch reicht P1090866und wir umdrehen koennen. Aber da die anderen weiterlaufen gehen wir auch weiter. Steil bergab, dann an einer Felswand entlang und wieder bergauf. Ich bete, dass wir alle heil oben ankommen und nichts passiert. Wahrscheinlich kommen wir eh nicht oben an, denke ich. Nach dem steilen Stueck entscheidet sich auch Mario sitzen zu bleiben und zu warten.
Wir sind nur noch 10 und ich das einzige Maedchen. Ich spiele mit dem Gedanken, auch zu warten aber mein Ehrgeiz ist staerker und meine Fuesse P1090873laufen von selbst immer weiter. Zum Glueck habe ich Handschuhe an, auch wenn es nur duenne Wollhandschuhe sind und diese schon total dreckig und durchnaesst sind. Ich muss an die Kletterwand in unserer Schule in Deutschland denken, die mit den bunten Knaeufen zum festhalten. So komme ich mir vor. Nur eben ohne Seil und Weichbodenmatte. „Bald sind wir da!“, heisst es. Da wird es wieder steil und wir brauchen das Seil. Sch***. Das Seil ist bei Mario im Rucksack. Pablo dreht um und laeuft das restliche Stueck zurueck um das Seil zu holen. Waehrenddessen entschliesst sich auch Mote, den Gipfel P1090874nicht zu besteigen. „Da oben sehe ich eh nichts!“ Stimmt, aber nur deshalb gehe ich ja nicht hoch. Sonst waeren ja die Qualen von gestern umsonst gewesen :-) . Pablo kommt wieder mit dem Seil. Mechas klettert vorsichtig hoch und macht das Seil an einem Felsen fest. Nun koennen auch wir, die uebrigen 9 (mit Mechas), das letzte steile Stueck hochklettern. Als ich mitten am Berg haenge, fragen mich die anderen von oben, ob ich auf dem Rueckweg lieber vorne oder lieber hinten laufen will. Was fuer eine Frage! Lasst mich doch erstmal oben ankommen! Aber schon jetzt habe ich wirklich Angst vor dem Rueckweg. Langsam schmilzt auch der Schnee und es wird rutschig. Noch ein P1090877paar letzte Felsen und dann sind wir da! Am Gipfel auf ca. 5180m Hoehe! Gluecklich fallen wir uns in die Arme und machen das obligatorische Siegerfoto. Es gibt sogar ein Gipfelkreuz. Als ich den Aufkleber vom Mt. Everest (8848m) darauf sehe, bin ich frustriert. Wer hat das denn da drauf geklebt… :-) Aber egal. Es ist 10 Uhr und wir haben es geschafft! An den Abstieg will ich gar nicht denken.
Langsam, ganz langsam machen wir uns nach 10 Minuten wieder auf den Rueckweg. Ich stelle fest, dass es eigentlich leichter als erwartet ist. Klettern macht sowieso Spass und es ist einfacher als der Aufstieg. Bald kommen wir zu dem Fels, an dem noch unser Seil vom Aufstieg haengt. Mechas meint zu mir: „Komm mal her, ich seile dich ab. Die anderen aber nicht!“ Als er mir das Seil um den Bauch bindet muss ich grinsen. Das ist wohl der Maedchenbonus, P1090888aber da hab ich in dem Moment auch nichts dagegen. Gut, Knoten haelt. Dann seile ich mich als erste ab. Ganz langsam. So richtig vertraue ich dem Seil noch nicht. Aber schon bald haenge ich doch richtig drin und rutsche den Fels runter. Mensch, so ist der Abstieg eigentlich ganz einfach :-) . Die anderen folgen mir. Sie halten sich auch am Seil fest, werden aber nicht abgeseilt. Der einzige ausser mir ist Christian, der mit seinen Schuhen sonst wohl nicht runtergekommen wuerde. Mote ist schon weg. Wahrscheinlich mit Mario schon lang wieder im Refugio zurueck. Der Schnee ist schon fast weg und es wird immer matschiger. Langsam klettern wir weiter und weiter. Dann kommen wir an das Stueck, an dem Stephi und Maike zurueckgeblieben sind. Auch sie sind weg. Ich finde einen Zettel, dass sie mit der anderen Gruppe schon wieder zurueckgegangen sind. Bald sind auch wir da. Das letzte Stueck, das wir davor P1090893so steil hochmussten, ist nur noch Sand und Matsch. Das macht es einfacher. So koennen wir ganz einfach runterlaufen und rutschen dazu noch bei jedem Schritt ein gute Stueck. Das macht Spass! Als wir unten ankommen habe ich den halben Berg im Schuh, aber egal. Noch die letzten paar Meter und wir sind da. Am Refugio! Die anderen warten schon. Ich danke Gott, dass wir sicher wieder angekommen sind! Meine Schuhe und meine Hose sehen aus wie die Sau, aber egal! Wir habens geschafft!
Nachdem wir die Schlafsaecke und den Rest in unseren grossen Rucksaecken verstaut haben, machen wir uns auf den Rueckweg. Natuerlich faengt es genau in dem Moment an zu hageln. Aber immerhin besser als Regen. So laufen wir das Horrorstueck von gestern im Hagel nach unten. Man ist das lang! Kein Wunder, dass ich da gestern fast gestorben bin. Und auch bei Tag P1090895moechte ich es nicht nochmal hochlaufen. Der Abstieg zieht sich ganz schoen, aber wenn es eigentlich Spass macht. Es faengt an leicht zu schneien und die Landschaft erinnert mich an einen gemutlichen Sonntagsspaziergang im Winter. Je weiter runter wir kommen, desto matschiger wird es und der Schnee wird zu regen. Meine Schuhe sind total durchnaesst und der Rucksack ist gefuehlt bestimmt doppelt so schwer wie gestern. Irgendwann kommen wir endlich an der „Virgen“ an. Aber weit und breit keine Camioneta in Sicht, die uns haette mitnehmen koennen. Nein, ich will nicht bis ins Dorf laufen! Da sind wir ja morgen noch nicht da! Aber fuer den Moment haben wir wie immer eh keine Wahl und laufen weiter. Auf der Strasse weiter unten sehen wir ein paar Autos in einer Kurve stehen. Hoffentlich kann uns wer mitnehmen.
Als wir ankommen sehen wir warum die Autos da stehen. Die Strasse ist eine einzige Rutschpartie und selbst zu Fuss ist es gan schoen schwer, da die Kurve zu bekommen. Am Ende der Kurve steht eine Camioneta, die einem Parkagestellten gehoert. Er will uns mitnehmen. Danke! Gluecklich steigen wir alle ein und nun macht auch selbst der Regen nichtsmehr. Alles ist besser als laufen! Die Fahrt fuehlt sich an wie eine Schifffahrt, so rutschig und kaputt ist die Strasse. In einer Kurve rutschen wir sogar quer und alle muessen erstmal wieder raus. Nach einer Weile kommen wir an einen kleinen Parkplatz, wo schon die Camioneta wartet, die uns nach Machachi bringen will. Wir steigen um und es geht los.
Es ist ganz schoen kalt auf der Camioneta und die halbe/dreiviertel Stunde kommt wir wie eine Ewigkeit vor. Wenigstens ist es so eng, dass wir uns alle gegenseitig waermen koennen. Dann kommen wir an. Wieder am Restaurant von Santiagos Tante. Es gibt wieder erstmal was zu Essen. Wow! Das erste Essen seit gestern Mittag! Dort koennen wir auch die nassen Klamotten wechseln. Das heisst diejenigen, die noch trockene Sachen zum wechseln haben. Meine Schuhe sind klitschnass, aber ich hab keine anderen.
Nach dem Essen laufen wir zum Bus, der uns nach Quito bringt. Als der Junge kommt, der das Geld einsammelt, gebe ich im wie bei der Hinfahrt auch 75 Centavos. Da meint er zu mir, es koste 1 Dollar. Verdutzt gebe ich ihm die restlichen 25 Cent und frage warum es teurer ist. Da meint er: „Aehm…. wegen den Rucksaecken!“ „MENTIRA!“ So eine Luege hab ich auch schon lang nicht mehr gehoert und als Maike neben mir auch noch meint, das sei Diskriminisation gibt er uns mit einem Grinsen die 25 Cent wieder. So eine Schweinerei und fuer so bloed zu halten… In Quito steht schon der Bus nach Otavalo bereit und wir muessen nur einsteigen. So gegen 21 Uhr kommen wir endlich in Otavalo an. Was fuer ein langes Wochenende!
Als wir uns verabschieden, laden Stephi und ich die anderen ein, doch noch ein bisschen mit uns ins Jampa tanzen zu gehen. Sie lachen nur und halten uns alle fuer verrueckt. Trotzdem sollen wir doch einfach vorbeikommen und dann wuerden sie noch ein bisschen mitkommen. Haha, noch ne Luege. Als wir 1 ½ Stunden spaeter geduscht und mit endlich trockenen Klamotten im Hostal stehen, liegen alle schon im Bett. Nur Pablo bemueht sich noch, doch wieder aufzustehen und so gehen wir noch ein bisschen was trinken. Komischerweise bin ich auch gar nicht muede. In unserer Stammbar dem Fauno planen wir schon den naechsten Wochenendausflug. Zelten in Intag oder doch lieber was spannenderes? Der Abend wird laenger als geplant und irgendwann viel zu spaet fallen wir totmuede in unser bequemes Bett!
Ja, was fuer ein Abenteuer!

P1090823 eine vollgestopfte Camioneta…

P1090829 die Gipfelstuermer… naja, nicht alle haben es geschafft :-D

P1090849 na, ist das nicht eine schoene Aussicht?

P1090854 der Aufstieg…

P1090880 Der Beweis! Die Hightech-Uhr: 5170m!

P1090894 MAMA! Hab mich schmutzig gemacht…. :-)

Sonntagmorgen sind Cathy, Fabienne und Anneke von der Kueste wieder da. Es hat geregnet :-) . Na also, dann hat es sich eh nicht gelohnt. Als wir so von unserem Abenteuer erzaehlen, ueberlege ich mir, ob ich nicht doch auch noch auf den Cotopaxi soll. Es reizt mich ja schon… Aber der Iliniza war schon ganz schoen hart und der Cotopaxi ist noch hoeher und NUR Schnee… Als waere es ein Zeichen schreibt mir an dem Morgen Christoph eine SMS. Er war mit einem anderen Freiwilligen hier aus der Naehe auf dem Cotopaxi. Am Gipfel! Wow, wenn er es schafft, ist es nicht ganz unmoeglich. Aber er ist echt gut in Form… Als ich spaeter mit ihm telefoniere bin ich total hin und hergerissen. Einerseits sagt er, er hat es unterschaetz. Es war schwerer als gedacht und er ist total fertig oben angekommen, aber es ist immerhin machbar… Ja, wie ihr seht plane ich schon das naechste Abenteuer, dass es auch nicht mehr langweilig wird in den letzten Wochen… Und ich denke, ich werde es versuchen……

Zeichen Nummer zwei… Wie ich glaub ich schon mal erzaehlt habe, steige ich jeden Tag als Uebung auf den Berg hinter unserem Haus hoch. Und um mein Trainig mal zu steigern, hab ich beschlossen, ab jetzt zweimal am Tag hochzusteigen. Einmal vor der Schule und einmal nach der Schule. Ob es wirklich was bringt weiss ich auch nicht, weil man da in 4 Minuten oben ist. Aber trotzdem ist der Berg ganz schoen steil… Wie auch immer. Diesen Dienstag bin ich zum ersten mal vor der Schule hochgelaufen und was sehe ich? Natuerlich, dank superschoenem Wetter, wie immer den Fuya Fuya, den Imbabura, den Cotacachi, den Cayambe, und… mir sind fast die Augen ausgefallen, in weiter Ferne aber trotzdem als waere er gleich um die Ecke, den Cotopaxi! Ist das nicht ein Zeichen? Jetzt bin ich schon soo lang hier und mir ist noch nie aufgefallen, dass man sooo weit sieht. Aber ich bin ja auch noch nie morgens bei schoenem Wetter den Berg hochgekrackselt. Ja, das ist doch mal ein eindeutiges Zeichen oder?

Kulinarisches Abenteuer Teil 2! – Vorschau: Bergsteigen in Ecuador Teil 5

•1 Mai, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Letzten Samstag stand endlich unser lang geplantes Essen an. Wir hatten schon gedacht, dass das wohl nie mehr klappt, weil es immer wieder wegen irgendwelchen Sachen verschoben wurde aber am Samstag war es endlich soweit. Mit Enrique fuhren wir nach Agato in ein Shamanenzentrum, wo wir letztes Jahr auch schon einmal waren. Ja, wir erinnern uns nur zu gut daran, weil Stephi an diesem Tag einhundertwasweissich Sandfliegenstiche bekam. Gut ausgeruestet also, mit langen Hosen und Autan, kamen wir dort an. Die Familie wartete schon auf uns und bereiteten das Loch vor, in dem wir kochen wollten. Das Essen sollte naemlich kein normales Essen werden, sondern die Pachamanka, das heisst, das Essen in der Erde! Einige Indígenas bereiten das Essen zu bestimmten Anlaessen so zu, und das wollten wir doch auch einmal miterleben. Waehrend also die Jungs zuersteinmal das Loch buddelten, bereiteten die Maedels das Essen vor, das wir in das Loch werfen wollten. Knoblauch schaelen, Habas waschen, Huehnchen schneiden, Choclo schaelen, Kohlblaetter abmachen, Huehnchen drin einwickeln,…… So, dann war das Essen kochbereit. Fehlte nur noch das wichtigste an der ganzen Sache. Die Steine. Ohne Steine wuerde das ganze naemlich nicht funktionieren. Komisches Essen, werdet ihr euch jetzt wohl denken. In der Erde, mit Steinen? Und dazu auch noch gaaanz ohne Fett oder Gewuerzen. Ja, das gibts! Hatten wir bis zu dem Zeitpunkt zwar auch noch nicht recht glauben wollen, aber es geht. Die besagten Steine werden auf eine Stockkonstruktion gelegt, drumrum noch ein bisschen mehr Holz und Blaetter, und dann wird das ganze angezuendet. Wir Maedels beschlossen, das ist jetzt aber eindeutig wieder Maennerarbeit, und machten eine kleine Pause, waehrend die Jungs immer mehr Aeste und Blaetter auf den brennenden Haufen warfen. Nach einer halben Stunde war es soweit. Der Zeitpunkt war gekommen. Der „Mann“ war bereit und die „Frau“ wartete schon. Nein, ich bin nicht verrueckt, aber so wurde uns das erklaert. Symbolisch gesehen ist das Feuer mit den Steinen der „Mann“ und das Loch die „Frau“. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Steine richtig heiss sind, werden sie mit Schaufeln genommen und zum Loch getragen. Natuerlich nicht, ohne vorher die heisse Asche abzuwischen, was nur von Frauen erledigt werden darf. Die Steine werden also nach und nach in das Loch gelegt, symbolisch gesehen geht der Mann in diesem Moment in die Frau ;-) . Der Boden des Lochs und der Rand wird mit den gluehend heissen Steinen bedeckt und danach das mit liebe zubereitete Essen reingelegt. Zuerst die Kartoffeln, dann der Choclo (Maiskolben), dann Karotten, dann das eingewickelte Huehnchen, dann die weisse Karotte, dann die Habas und zum Schluss noch ein paar Kochbananen. Noch ein paar Steine oben drauf, dass es auch von oben schoen warm wird. Zur Waermedaemmung noch die Maisblaetter, ein Tuch, eine Strohmatte und oben drauf noch ein bisschen Erde. Dass auch ja keine Hitze nach draussen geht, schliesslich brauchen wir die ja zum kochen. Das ganze lasse man ca. 1 Stunde garen. Die Pause nutzten wir, um unser heissgeliebtes Wolfsspiel zu spielen. Ja, dass muss ich euch auch noch beibringen… Nach einer Stunde muss dann das ganze Loch wieder geleert werden, das heisst, dass Baby ist in der Frau gereift und nun fertig fuer die Geburt. Und wie fertig das Baby doch war. Und seeehr lecker! Man glaubt es nicht, aber es war wirklich alles durch, inklusive Kartoffeln, Karotten und dem Huehnchen. Wir haben auch schon Plaene geschmiedet, das doch mal selbst auszuprobieren, aber ich weiss nicht, ob wir das nicht lieber bleiben lassen :-) …. Aber an dieser Stelle noch mal ein Lob an die ingigene Kochkunst, es war super! Nur wie immer viel zu viel!

Samstagnachmittag bin ich mit Stephi und Maike nach Quito gefahren, denn Sonntagmorgen sollte Manuel, Stephis Bruder ankommen. Und die Gelegenheit wollten wir nutzen, um Samstags noch schnell im Megamaxi vorbeizuschauen. Das ist sowas wie Walmart in Amerika. Es gibt von Kameras ueber Autoreifen ueber Schlafsaecke ueber Buecher ueber Schuhe ueber Spielzeug einfach alles. Achja, natuerlich auch das, was man in einem normalen Supermarkt finden kann :-) . Kurz gesagt, ein Paradies! Besonders fuer uns, da wir seit August ja nur von Reis und Kartoffeln leben. Wir waren also bestimmt erstmal 1 ½ Stunden oder noch mehr in diesem Laden. Erstaunlicherweise wurde meine Einkaufsliste aber gar nicht so gross und vor allem nicht teuer. Ich hatte nur ne Creme, was zu trinken, Kerzen und 20 Muellsaecke fuers Haus. Im Gegensatz zu Maike und Stephi. Naja, sagen wir Stephi hat erst im naechsten Parfuemladen richtig zugeschlagen…. *hust* :-) Zwar ist Maikes versteckte Beininnenhosentasche jetzt leergekauft, dafuer stinkt Stephi jetzt nicht mehr so, sonder riecht seeehr lecker nach Chanel… :-D
Nach unserer Shoppingtour war es auch schon Zeit, ein Hostal zu suchen und schlafen zu gehen. Das Hostal wussten wir auch schon, nur war es gar nicht so einfach, da hinzukommen. In Ecuador waren diesen Sonntag naemlich wieder Wahlen. Aber nicht nur fuer eine neue Konstitution, sonder fuer den Praesidenten, sondern auch fuer die Buergermeister, Abgeordneten und was weiss ich noch alles in GANZ Ecuador! Krass oder? Es wird einfach ALLES auf einmal gewaehlt! Und Wahlen heisst in Ecuador „Ley seca“, also Alkoholverbot! Von Freitag um 12 Uhr bis Montag um 12 Uhr! Und wegen diesem dummen Gesetz sind an jenem besagten Abend auch fast keine Busse mehr gefahren. Und das, obwohl wir ins Partyviertel Quitos wollten. Also sind wir zuerst mim Taxi ein Stueck gefahren, wo wir gleich einen neuen Freund kennengelernt haben. Das heisst er wollte unser Freund sein, aber wir wollten nicht so recht… Dann ab in den Bus und wieder ein Stueck weiter. Aussteigen und auf den naechsten Bus warten. Einsteigen, bisschen fahren, nach 10 Minuten wieder aussteigen, in den Tolebus und nach einer halben Ewigkeit waren wir so um halb 11 Uhr nachts endlich an der Zielhaltestelle. Haetten wir gewusst, dass das so kompliziert wird, haetten wir von Anfang an auch ein Taxi nehmen koennen. Das waere ungefaehr gleich teuer gewesen :-) . Aber man spart wo man kann… Gluecklicherweise hatte der Pizza Hut auch noch auf und so konnten wir noch schnell was leckeres Essen, bevor wir uns ein Schlafquartier suchten.

Sonntagmorgen mussten wir schliesslich schon frueh raus, um Manuel am Flughafen abzuholen. Der kam auch ueberraschend puenktlich an uns so waren wir schon bald in Otavalo! Soll ich euch noch eine sinnlose aber lustig Ueberegung erzaehlen? Ich war in diesen 10 Monaten (natuerlich erst wenn ich geh) ganze 10 mal am Quitoer Flughafen! Krass oder? Dazu muss ich sagen, dass wir in den ersten 3 Monaten gar nicht waren :-) .

Sonntagabend haben Stephi, Manuel und ich genutzt, um unser naechstes Abenteuer zu planen. Teil 5 der Abenteuerserie! Schliesslich wollen wir euch ja auch was bieten hier… Unser Plan ist es nun, ich erzaehl euch das lieber mal, vielleicht klappt es ja nicht und dann kann ich wenigstens sagen, wir wollten aber wirklich,….. Der Plan ist also nichtmehr der Cotopaxi, sonder zuerstmal der Iliniza! Das ist ein Berg in der naehe vom Cotopaxi, aber nicht ganz so hoch und nicht aktiv. Trotzdem auch schon 5100irgendwas m hoch und mit Schnee! Perfekte Uebungsbedingungen fuer einen spaeteren Aufstieg auf den Cotopaxi! Freitag soll es schon losgehen. Immerhin muessen wir auch ein Stueck zum Refugio aufsteigen. Dort werden wir Nachmittags hoffenlich erstmal ein paar Uebungen im Schnee machen koennen, bevor wir frueh Schlafen gehen. Denn Samstagmorgen, oder Samstagnacht, geht es so um 2 Uhr los auf den Gipfel des Iliniza Sur! Ja das ist der Plan! Natuerlich werde ich euch ausfuehrlich von unseren Erlebnissen erzaehlen! Das macht man ja schliesslich nicht alle Tage und auch nicht jeder. Die anderen ziehen es naemlich vor, die paar Tage chillend am Strand von Canoa zu verbringen :-) . So bleiben nur noch Stephi, Manuel und ich und natuerlich unser treuer Guide Christian mit ihm und dessen Freunden wir das naechste Abenteuer bestreiten wollen!

Kurzes Update! Planaenderung. Eben sind wir zu Pablo ins Hostal. Pablo ist immer mit von der Partie, wenn wir irgendwas unternehmen, als Nebenguide oder so was. Wir gehen nicht auf den Iliniza Sur, sondern auf den Iliniza norte. Das beruhigt mich aber doch schon etwas. Die Berge sind zwar kaum unterschiedlich hoch, aber der Norte hat kein Schnee und ist um einiges leichter. Bei dem Sur steht im Reisefuehrer, dass das ein Berg fuer den anspruchsvollen Andinisten ist. Ja, das sind wir ja noch gar nicht. Also nur auf die andere Spitze von dem Iliniza. Dafuer laufen wir Freitag erstmal 4 Stunden zum Refugio, mit Schlafsack und Essen bepackt. Samstag sind es dann nur noch so 2 Stunden zum Gipfel und 4 Stunden wieder runter. Ja, so ist der aktuelle Plan… Denkt an uns, wenn ihr einen schoenen 1. Mai Ausflug macht und ein bisschen in der Schwaebischen Alb wandern geht. Immerhin ja auch schon auf 800 m oder wie „hoch“ auch immer das schon ist :-)

Bilder vom Essen kommen noch. Muss mich aber jetzt erstmal psychisch und physisch auf unser morgiges Abenteuer vorbereiten…;-)

Ein kulinarisches Abenteuer und Teil 4 der Abenteuerserie: „We survived….“

•24 April, 2009 • 3 Kommentare

Der Tag der Lehrers, oder auch der Tag der Wartens… Den hab wollte ich am Freitag mit meinen Lehrern und allen anderen von unserem Bezirk feiern. Dazu hab ich mich mit Ximena um 8 Uhr am Busterminal verabredet. Puenktlich wie die schweizer Uhr stand ich um 8 Uhr da und hab gewartet. Mir war schon klar, dass sie nicht puenktlich kommen wuerde, aber die 15 Minuten warten machen ja auch nichts. Nur leider hab ich mich da ein bisschen geirrt. Um 8.15 hab ich sie dann doch mal angerufen und sie meinte, sie sei in 10 Minuten da! Alles klar… Mittlerweile sind ungefaehr schon 15 Busse nach Ibarra an mir vorbeigefahren (die fahren naemlich alle 4 Minuten, wie ich rausgefunden habe) und mindestens 10 davon wollten mich mitnehmen. Um 8.30 war Ximena nur leider immernoch nicht da. Aber mittlerweile bin ich eine ziemlich gute Warterin geworden und so stand ich einfach noch ein Weilchen da und wartete und wartete. Nachdem nochmal gut 10 Busse nach Ibarra an mich vorbeigefahren waren und es nun schon 9 Uhr war, beschloss ich, doch wieder nach Hause zu gehen. So spannend waere der Tag wohl eh nicht gewesen. Doch gerade als ich mich umdrehen wollte und nach Hause laufen wollte, packte sie mich am Arm und meinte: „Hoooola, Annika!!!“ Und schwupp, schon sassen wir im Bus nach Ibarra. Naja, auch gut. Um 9.30, puenktlich zum eigentlichen Anfang, kamen wir in Chaltura an einem Restaurant an, wo das Programm stattfinden sollte. Zufaelligerweise war es auch noch das Restaurant, in dem ich mit meinen Eltern, Verena und Anja war und in dem Papa sein erstes und wahrscheinlich letztes halbes Cuy gegessen hat. Wie auch immer. Um 9.30 Uhr waren natuerlich noch nicht alle Lehrer da und so warteten wir eben noch ein bisschen. Und warteten und warteten. Bis sage-und-schreibe 11.30! Dann konnten wir endlich anfangen. Nach ein bisschen Gelaber, von wegen das ist  unsere Tag liebe Lehrer, lasst ihn uns feiern und gluecklich sein, gabs endlich Essen!  Und wie das so ablaeuft, muss ich euch doch noch etwas genauer beschreiben. Ich musste naemlich wirklich schmunzeln… Lest einfach den naechsten Abschnitt und stellt euch vor, ihr sitzt gerade in einem normalen deutschen Restaurant und habt dieselben Gedanken wie ich…

Als erstes kommt natuerlich das Trinken. Aber es bekommt nicht jeder sein eigenes Glas Cola, sondern die „Kellner“ stellt einfach auf jeden Tisch 2 3-Liter „Cola“flaschen. Geschmacksrichtung: Coca Cola, Fanta, Sprite,….. hauptsache suess! Dann kommt auch schon das Essen. Zur Feier des Tages natuerlich was extrafeines… Alle 52 Lehrer bekommen ein halbes Cuy (ja richtig, das ist das Meerschweinchen) vorgesetzt. Mit einer halben gebratenen Banane, 2 Kartoffeln, einem Stueck Schweinefleisch, einem Stueck Huehnchen und einem Stueck Rind. Ja, ein purer Fleischteller! Waehrend sich alle anderen wild auf das Essen stuerzen, und, ohne mit der Wimper zu zucken, dem armen Tierchen die Beine ausreissen und dranrumknabberen, startet ihr noch kurz eine kleine Hochrechnung gestartet, die ihr vielleicht besser haettet bleiben lassen. 52 Leute bekommen ein halbes Cuy… Das heisst das fuer unsere Gruppe mindestens 26 Meerschweinchen ihr Leben lassen mussten. Und da wir nicht die einzige Gruppe sind, sind es bestimmt nochmal 40 Meerschweinchen mehr, fuer die anderen Leute… Ooooooh…. Absurderweise ueberlegt ihr euch  dann noch, welche Fellfarbe das Meerschweinchen auf dem Teller vor euch wohl mal gehabt hat… Doch bevor ihr sentimental werdet, fangt ihr doch auch lieber an, mal die kleinen Beinchen zu probieren. Gar nicht so schlecht! Und als ihr gerade so am knabbern seid, stellt ihr fest, dass das arme Tier wirklich komplett halb auf den Teller kommt. Sprich mit dem Naeschen, den Oehrchen und sogar den Zaehnchen… Nagut, genug der Beschreibungen. Und wie wir also alle so am Essen sind, und ihr euch schon ueberlegt, was ihr denn mit dem ganzen Fleisch machen sollt, kommt auch schon der Kellner. Mit was? Natuerlich, mit den Tueten! Jeder Gast bekommt eine durchsichtige Plastiktuete und dazu noch eine braune Papiertuete. Na Wunderbar, das Problem ist geloest. Ohne das Essen weiter zu geniessen, fangen alle Gaeste um euch rum an, das Meerschweinchen in die Tuete zu verfrachten, mitsamt Kartoffeln, Schwein, Huehnchen und Rind! Na also, schon ist das Abendessen fuer die Kinder gesichert. Und ich ihr koennt schon bald nichtmehr und nehmt ungeniert die Plastiktuete zur Hand, und schiebt euren gesamten Tellerinhalt in die Tuete. Nur noch die abgenagten Beinchen und ein paar andere undefinierbare Sachen bleiben zurueck. Nichtmal die Cola wird zurueckgegeben, sondern einfach in eine leere Trinkflasche umgefuellt und mit nach Hause genommen. Keine 2 Minuten spaeter beugt sich euer Nebensitzer zu euch rueber, schnappt sich ein paar runde Ueberbleibsel von eurem Teller, und meint: „Haha, die kleinen Hoden von dem Cuy!“ Ja, jetzt wisst ihr zwar nicht, ob euer Cuy mal schwarz oder weiss war, aber immerhin habt ihr nun das Geschlecht ohne Zweifel bestimmt :-) .
Kaum sind alle Cuys luftdicht in den Tueten verpackt, und selbst fuer die Leute, die nicht kommen konnten, wird eine Tuete zurechtgemacht, faengt auch schon die Musik an und alle stuerzen sich auf die Tanzflaeche um ein bisschen auf der Stelle hin und herzutreten. Aus dem Nichts sind ploetzlich auch mehrere Tueten Pfirsichwein auf dem Tisch und von allen Seiten streckt man auch ein Glas hin… Ja, ich war wirklich froh, als ich mich gegen 14.30 Uhr nach draussen schleichen konnte :-)
Was fuer ein kulinarisches Abenteuer!

Apropos Abenteuer… Es wir hoechste Zeit mehr von unserer Abenteuerserie „We survived…“ zu berichten. Nachdem ihr ja schon Teil 1 „We survived FUYA FUYA“, Teil 2 „We survived LAGUNA CUICOCHA“ und Teil 3 „We survived CAMINATA MOJANDA ARRIBA“ gelesen habt, werdet ihr nun in den Genuss des vierten Teils kommen: „We survived IMBABURA“!

Sonntagmorgen. Es ist soweit. Unser mittlerweile seit Oktober geplanter Aufstieg auf den Imbabura steht an! Am Abend davor sind alle schon total nervoes, und so springen 2 der mutigen Abenteurern ab. Aber gut, auch ohne sie werden wir am Ziel ankommen.
p10902961Sonntagmorgen, kurz vor 5 Uhr. Vor unserem Haus laeuft ein Prozessionszug vorbei. Singend und betend. Was hat das zu bedeuten? Ein dritter Abenteurer springt gesundheitsbedingt ab, und so machen wir uns zu neunt auf den Weg, natuerlich begleitet von unserem treuen Guide Christian! Die Fahrt dauert ungefaehr eine  Stunde. Dann sind wir da. Es ist noch dunkel und in der Ferne sehen wir den Sonnenaufgang. Noch ein paar letzte Vorbereitungen und dann laufen wir guten Gedankens los. Es ist 6.30 Uhr. Wir befinden uns auf 3400 Meter ueber dem Meeresspiegel und 1200 Meter unter der Spitze des Imbaburas. Dem Vulkan der uns alle das ganze Jahr ueber treu begleitet. Die ersten Meter legen wir ohne Probleme zurueck, doch dann kommt der erste nichtmalwirklich steile Anstieg. Die Schweissperlen liegen uns allen auf der Stirn als wir das erste Mal Pause machen. Nach 10 Minuten laufen. Schnell haben wir uns alle wieder erholt und geniessen noch kurz die sagenhafte Aussicht. Dann geht es auch schon weiter. Immer hoeher Richtung Spitze kaempfen wir uns durch das Dickicht. Dann sehen wir das erste Schild. p10903101„3466m“. Was fuer ein Rueckschlag. Bis dahin dachten wir alle, wir seinen auf 3500m losgelaufen… Aber wir lassen uns nicht entmutigen und laufen weiter. Es geht ueber eine riesige Wiese, im Gaensemarsch einen kleinen Trampelpfad entlag. Wir fallen zurueck. Stephi, Cathy, Fabienne und ich sind die letzten. Der Rest der Gruppe ist schon weit voraus. Werden wir es trotzdem schaffen oder werden wir Probleme mit der Hoehe bekommen und umkehren muessen? Tapfer laufen wir weiter. Die Beine werden schwer. Nun kommt der steilste Aufstieg. Die anderen sind schon lang ausser Sicht. Langsam kaempfen wir uns Schritt fuer Schritt nach oben. Immer wieder machen wir kleine Pausen um wieder Energie zu schoepfen. Oben angekommen endlich eine gute Nachricht. Wir sind auf 4000m Hoehe angekommen. Halbzeit! Mote, ein anderer Guide ist noch bei uns. Er meint wir sind gut in der Zeit und wuerden um 10.30 an der Spitze ankommen.  Wir laufen weiter. Es wird neblig. Die wunderschoene Aussicht p1090355verschwindet hinter einer weissen Wand und mit dem Nebel fangen die Felsen an. Ueberraschenderweise macht das den Anstieg jedoch ein wenig leichter. In der Ferne sehe ich die anderen. Wie mag es ihnen wohl gehen? Ich komme an einer kleinen Anhoehe an und setze mich in den Windschatten eines Steines. Die anderen machen sich gerade fertig und laufen weiter. Kurze Zeit spaeter kommen auch Stephi, Cathy und Fabienne an dem Rastplatz an. 4200m. Es wird kalt! Zur Staerkung packe ich meine mitgebrachten Toffifee aus. So geht es gleich viel leichter. Immer weiter bergauf. Wie viel wohl noch fehlen mag? Wir sehen ueberhauptnichts. Die Felsen werden immer groesser. Stellenweise muessen wir sogar richtig klettern. Langsam ueberkommt uns ein leichtes Schwindelgefuehl. Ist das die Hoehenkrankheit? Nein, das kann nicht sein. Trotz Windboehen laufen wir weiter. Getrieben vom Ehrgeiz, endlich die Spitze zu erreichen. Wir kommen an eine Felswand. Sie erscheint riesig, misterioes und unueberwindbar. Oder doch nicht? Wir finden einen Weg, muessen jedoch unsere p1090357ganzen Kraefte zusammennehmen um die Felswand zu ueberwinden. Es geht fast senkrecht nach oben. Was wenn wir ausrutschen? Nein, wir kommen alle 4 heil oben an. Sind wir schon oben? Ungewiss laufen wir weiter. Nein. In der Ferne taucht noch ein kleiner Berg auf. Und danach noch einer. Wir machen immer wieder Pausen, um das Schwindelgefuehl zu besiegen. Und dann, ploetzlich sehen wir die anderen. Jubelnd empfangen sie uns. Keine 5 Minuten nach ihnen haben wir unser Ziel erreicht. Endlich. Nach 4 Stunden. Wir haben die Spitze des Imbaburas erreicht. 4600m ueber dem Meeresspiegel. Gluecklich machen p10903861wir ein Siegerfoto. Leider ist die Aussicht immernoch nur eine weisse Nebelwand. 15 Minuten spaeter stoesst endlich auch Christan zu uns. Er war weit zurueckgefallen, hat uns jedoch wieder ein bisschen eingeholt. Waehrend wir zur Staerkung unsere Sandwichs essen, planen wir schon das naechste Abenteuer. Die Besteigung des Cotacachis! Aber das hat noch Zeit, denn  noch ist das Abenteuer nicht vorbei .Zuerst steht unser Abstieg an. Und vor dem hatten wir alle mehr Angst als vor dem Aufstieg. Die ganzen Steilen Felswaende mussten wir nun wieder runter. Immer die Angst im Hinterkopf: Was ist, wenn ich abrutsche? Langsam, Schritt fuer Schritt, klettern wir nach p1090419unten. Der Abstieg kommt uns laenger und steiler vor als der Aufstieg. Wie kann das wohl sein? Nach einer Weile haben wir den steilsen Part geschafft. Von nun an wird es einfacher. Kaum denke ich das, rutsche ich auch schon aus. Aber es passiert nichts. Mit einem kleinen Schrecken laufe ic h weiter. Es wird langsam waermer und mittlerweile siehr man auch wieder die Berge in der Ferne. Bald sind wir da. Wir erreichen das Stueck Wiese. Inspiriert von unserem Ausflug auf den ersten Vulkan, setzen sich Stephi und ich spontan auf den Po und rutschen den halben Huegel runter. Ja, das macht wirklich Spass!  Leider fordert unsere  Aktion die ersten Opfer. In Stephis Hose klafft nun ein riesiges Loch. Eher gesagt mehrere Loecher :-) . Wir laufen weiter und weiter und weiter. p1090450War der Aufstieg wirklich auch so lang? Unsere Beine werden langsam muede und so setze ich mich erneut auf den Po und rutsche weiter. Doch dann gibt auch meine Hose auf und ich laufe lieber. Endlich, nach 3 Stunden bergablaufen sind wir wieder am „Refugio“, der Schutzhuette des Imbaburas :-) , angekommen. Muede, erschopeft, aber gluecklich! Wir haben  das Abenteuer Imbabura besser ueberstanden als erwartet. Mich plagt nur einbisschen das Kopfweh. Wir vermuten, dass wir zu schnell abgestiegen sind. Aber das wir sicher auch noch vorbei gehen.
Jetzt, im Bus Richtung Otavalo, koennen wir in Ruhe unser naechstes Abenteuer planen. Den Aufstieg auf den Cotacachi! Enttaeuschenderweise sind nur 3 der mutigen Abenteurern bereit, nach dem heutigen Tage auch noch den Cotacachi zu erklimmen (geschweige denn den Cotopaxi, den hoechsten aktiven Vulkan der Welt!)

–> Impressionen 2

Die spinnen, die Ecuadorianer

•16 April, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Ja, ich hoffe ihr hattet alle ein paar wunderschoene Osterfeiertage. Wir hatten sie auf jeden Fall :-) . Letzten Mittwoch bin ich mit Stephi, Maike, Anneke und Stuart nach Canoa an die Kueste gefahren um ein bisschen von unserem stressigen Schulalltag abzuschalten und uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Einen genaueren Bericht koennt ihr auf Stephis Homepage lesen, ich war leider etwas zu faul das alles aufzuschreiben, und Stephis Bericht ist glaub ich auch wie immer ganz gut gelungen :-) . Fuer ihr Geschreibsel bin ich jedoch nicht verantwortlich (da ich nicht mal soo genau weiss was da eigentlich drinsteht *g*).

http://pijalsanpedro.wordpress.com/

Am Montagmorgen waren wir also wieder in Otavalo, Zuhause! Da hiess es dann wie immer Unterricht vorbereiten, Kopien machen, Einkaufen, Internet, ….. und natuerlich Waesche waschen! Und dann war der Montag auch schon wieder vorbei…

Dienstagmorgen bin ich nach Cambugan gefahren und hatte sogar stundenplanmaessig Unterricht. Ich kann mich eigentlich wirklich nicht beschweren. Den Umstaenden p1090206entsprechend, klappt alles wunderbar :-) . Die 4. Klaessler wissen zwar noch erschreckend wenig, fuer das, dass ich sie schon ein Jahr habe, aber immerhin wissen sie wenigstens etwas! Und das beruhigt mich schon ein wenig. Leider weiss ich auch, dass sie bis naechstes Schuljahr die Haelfte wahrscheinlich schon wieder vergessen haben werden. Aber das ist eben das Schicksal hier….

Mittwoch kamen Joell und Celia, um den Padres de familie (also den Eltern) was ueber Cieo Azul zu erzaehlen. Damit die Eltern das alles auch mal ein bisschen besser verstehen. Das war glaub ich echt mal gut. Ausserdem wissen die jetzt, dass ich das ganze Jahr NICHTS bekomme und wahrscheinlich doch nicht so viel Geld hab, wie sie denken.
Mit den zwei kam auch wieder Juan Carlos. Das ist der Agronom der mit den Kindern und Eltern hier ein bisschen Pflanzen saeen und den Boden vorbereiten will. Mit ihm haben wir p1090144nach der Praesentation von Celia und Joelle noch ein Ritual fuer die Pachamama (Mutter Erde) gemacht. So wie ich das verstanden habe, war es, damit das angepflanzte auch gut waechst und die Pachamama gluecklic und zufrieden ist. Es war wirklich total interessant.
Er hatte so ein dreistufiges Loch in die Erde gegraben um das wir uns alle rumgestellt und ein paar Kerzen an den Rand gestellt haben. Ein paar „Auserwaehlte“ haben dann mit Hilfen ein paar heiligen Stoeckchen die Kerzen angezuendet und die brennenden Stoeckchen dann auch auf einen Haufen neben das Loch gelegt. Dann kam der „lustigste“ Teil. Wir haben alle unsere Haende in den Himmel gestreckt, zuerst Richtung Osten. Dazu hat Juan Carlos ein paar Worte gesagt und ein bisschen Floete gespielt. Das Gleiche kam dann Richtung Sueden, Westen und Norden. p1090166Danach noch Richtung Sonne und Richtung Erde. Als wir das geschafft hatten, haben wir uns alle gegenseitig umarmt und einander fuer alles Moegliche gedankt. Als naechstes wurden Blumen, die manche von Zuhause mitgebracht hatten in das Loch gelegt, genauso wie Stueckchen Erde, die Kerzen und zum Schluss noch, diejenigen die wollten, ein paar Haare von sich selber. Juan Carlos meinte, dass durch dir Blumen und die Erde alles gut waechst Zuhause und durch die Haare soll es den Personen gut gehen. Auch interessant, oder? Nachdem p1090177wir dann der Pachamama Haare, Kerzen, Blumen, ein bisschen Erde und sogar ein paar Tortillas gegeben hatten, musste jeder sich noch ein Kluempchen Erde suchen und auf das Loch tun, damit alles verdeckt wurde. Als das komplette Loch mitsamt Inhalt mit Erde verschuettet war, wurde noch ein Stein draufgelegt, um diese Heilige Staette immer wiedererkennen zu koennen. Eigentlich koennte man denken: „Die spinnen, die Indígenas!“, aber ich find es echt ganz cool, dass sie noch so Traditionen und Riten haben.
Auf dem Rueckweg zur Schule sind wir ueber das frisch umgegrabene Feld gelaufen, dass Juan Carlos mit den Leuten hier bepflanzen will und ueberall lagen die Gusos rum. Ich p1090196weiss nicht, ob ihr euch daran erinnert, aber das sind diese Larven oder was auch immer von den Kaefern. Glaub ich zumindest. So genau weiss ich es auch nicht. Auf jeden Fall waren meine Lehrer schon wieder hin und weg und sind ueber da Feld gerannt und haben wie bloed diese Wuermer gesammelt. Wozu? Ja, ich denke, dass koennt ihr euch mittlerweile denken. Ein paar 7. Klaesser waren so gut, und haben die Erde aus den Viechern rausgequetsche und dann zum braten gebracht. Und da die Kleinen bekanntlich von den Grossen lernen, waren keine 5 Minuten spaeter 10 Zweitklaessler auf dem Feld und haben einen ganzen leeren Farbeimer voll von diesen Tierchen gesammelt. Meine Lehrerin Esperanza war hin und weg und hat sich p1090213gleich selbst geopfert, die Tiere bratfertig zu machen. Abwaschen, durchschneiden, ausdruecken, und fertig! Ja, und so hatten wir zum Mittagessen eine Extra Portion Kalzium oder Eiweiss oder was auch immer da drin sein mag. Wir hatten zwei verschiedene Toepfe. Einen Tope mit Wuermchen ohne Kopf und ohne Fuesse, und einen zweiten Topfe, den den Esperanza gemacht hat, mit Kopf und Fuessen. Zuerst hab ich eins ohne Kopf und Fuesse probiert, weil ich mir schon wunderbar ausmalen konnte, wie hart der Kopf eigentlich sein musste und wie die Fuesschen wohl im Mund pieksen mussten… Naja, und irgendwann haben sie mich ueberredet, doch noch aus dem anderen Topf  eins zu probieren. Die Fuesse wuerden p1090233auch gar nicht pieksen… Es hat mich doch etwas ueberwindung gekostet, dieses Tier samt Kopf, Beisszange und Fuesschen zu essen… aber irgendwann hab ichs dann doch einfach in den Mund geschoben und ganz schnell gekaut. Ueberraschenderweise war es gar nicht so schlecht, wie ich erwartet hatte. Die Fuesse haben wirklich nicht gepiekst und der Kopf war auch eher knusprig als eklig hart. Wie ich schon das letzte Mal festgestellt hatte, schmecken die Teile besser als die Kaeferchen :-) . Ja, ich weiss, ich bin eklig….. *g*

So gegen 2 Uhr war ich endlich Zuhause, und auch schon wieder weg. Wie jeden Nachmittag bin ich mit Mariana und Lizeht zum melken in die Sienda gegangen. Dort warten jeden Nachmittag um halb 3 Uhr und jede Nach um halb 3 Uhr ca. 18 Kuehe darauf gemolken zu werden. Natuerlich alles von Hand! Ich weiss nicht, ob ich es schon geschrieben habe, aber meine Gastmama macht das jetzt fuer 2 Monate. Das heisst jeden Tag und jede Nacht melken gehen!!! Und dafuer bekommt sie gerade mal 60 Dollar im Monat. Die ganz hellen Koepfchen haben da ganz schnell ausgerechnet, dass das ein p1090255Stundenlohn von 50 Centavos sind! Das heisst 40 Cent oder so was! Das hat mich total erschreckt als ich das gehoert habe… Weil es wirklich keine leichte Arbeit ist. Naja, fuer die Frauen hier wahrscheinlich leichter als fuer mich. Obwohl es fuer mich die Ideale Gelegenheit ist, melken zu ueben. Ich sitz dann immer mit Lizeht an einer Kuh und wir melken um die Wette. Am Anfang hat mir schon nach eienr halben Minute die Hand wehgetan, mittlerweile schaff ich schon eine Halbe Kuh zu melken. Also meine Seite eben. Auch wenn es noch ein klein bisschen laenger dauert, als bei meiner Gastmama :-) … Aber immerhin, ich lerne! Und es macht total Spass!

p1090266 „Papi, da steht ne Kuh bei uns im Hof!“

Ja, das war meine Woche. Donnerstag nachmittag war ich schon wieder in Otavalo, da am Freitag keine Schule ist. Oh Wunder. Der Grund ist aber der Beste. Am 13. April, also am Montag, war „Día del Maestro“. Also der Tag des Lehrers! Ja, sowas gibts! Und da sind eigentlich ueberall Feste und so. Aber da meine Lehrer am Montag gearbeitet haben, haben sie den Freitag freibekommen. Auch nicht schlecht. So was koennte man in Deutschland doch auch mal einfuehren, oder?

Hier noch zwei kulinarische Highlights:

p1080915 1. Die Fanesca Suppe von vor 2 Wochen

p1090114 Unser absolutes Lieblingsessen: Reis, Linsen und ein Spiegelei!

Und ein paar Eindruecke vom „Vulkan der Vulkane“, dem Imbabura! Einfach nur majestaetisch und jeden Tag aufs neue wunderschoen! (Ich sags euch, ihr verpasst was *g*)

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